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Sommer

Sommer: Die Zeit ohne Wettkämpfe. Die Zeit, in der die Eisbahnen zur Wartung abgetaut werden und die Kunstläufer den wenigen geöffneten Hallen ins Trainingslager hinterherreisen. Die Zeit der ISU-Kongresse (die Regeländerungen der kommenden Saison, vom neuen Basic Level bis zur Choregraphic Sequence, findet man für Paar- und Einzellauf in den ISU Communications 1741 bzw. in 1724 die neuen Scales of Value). Und die Zeit der Spekulationen und Ankündigungen rund um Trainerwechsel, neue Programme und Comebacks.

Ein paar davon:

Daisuke Takahashi wechselt zurück zu seinem ehemaligen Trainer Nikolai Morozov, der allerdings wohl nur als Ratgeber und Assistant Coach ins Team kommt (kein Gerücht mehr). Die Choreographen, mit denen er in den letzten Jahren erfolgreich zusammengearbeitet hat – Kenji Miyamoto und Pasquale Camerlengo -, schneidern in der kommenden Saison Programme für Evgeni Plushenko (ebenfalls kein Gerücht mehr). Plushenko befindet sich derzeit in Mishins Trainingslager im italienischen Pinzolo, siehe hier, und studiert unter anderem eine neue Kür zu Nino Rotas Romeo & Julia ein (lange nicht gehört…). Wann er wohl diesmal in die Saison startet? Er hätte die Möglichkeit, in der Grand Prix-Serie beim Rostelecom Cup zu laufen. Da er dort aber auf Patrick Chan treffen würde, wird er wohl verzichten, denn eine Niederlage auf heimischem Boden gilt es zu vermeiden (ein Gerücht).

Johnny Weir, das Crazy Kid der US-amerikanischen Eislaufszene, wird in der kommenden Saison wieder Wettkämpfe bestreiten, Start ist die Grand Prix Serie. Irgendwie hat er sogar zwei Grand Prix-Teilnahmen ergattern können (vermutlich nicht wegen seiner exorbitanten Chancen auf den Einzug ins Finale; das findet übrigens, gleichsam als Testlauf für die Folgesaison, in Sochi statt). Auch Miki Ando, die Trainer Morozov offensichtlich verlassen hat, kehrt in den Ring zurück. Evan Lysaceks Comeback befindet sich dagegen noch im Gerüchte-Stadium.

Eine ganze Reihe vielversprechender Juniorinnen wird in der nächsten Saison in den Senioren-Grand Prix wechseln: Julia Lipnitskaya, Polina Korobeynikova und Polina Shelepen aus Russland, Zijun Li aus China und Gracie Gold aus den USA. Nicht bei den Senioren am Start sein wird unerklärlicherweise der Chinese Han Yan.

Wer das Sommerloch nicht mehr erträgt, aber kein Eis in greifbarer Nähe hat und auch nicht die Möglichkeit, ins Trainingslager zu flüchten, kann sich die Zeit bis zum Saisonstart ja wie diese Herren vertreiben:

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Meisterinnen und Meister 2011/2012

In den USA und Kanada stehen die nationalen Titelkämpfe der aktuellen Saison noch aus, aber in den meisten Ländern haben sie inzwischen stattgefunden. Hier ein Überblick über neue (und manchmal auch alte) nationale Meister:

Deutschland

Damen:
Nicole Schott
Isabel Drescher
Katharina Zientek
(Sarah Hecken war wegen einer Fußverletzung nicht am Start)

Herren:
Peter Liebers
Paul Fentz
Martin Rappe

Paare:
Hausch/Wende
Vartmann/ van Cleave
(Savchenko/Szolkowy waren nicht am Start, sie wollten lieber am dreifachen Wurfaxel trainieren)

Eistanz:
Zhiganshina/Gaszi
Kolbe/Caruso
Hermann/Hermann

Hier die neue Kür von Peter Liebers, allerdings nicht von der DM, sondern von der NRW Trophy, wo er hinter Samuel Contesti auf den zweiten Platz kam:

Frankreich

Damen:
Yrétha Silété
Maé Bérénice Méité
Anaïs Ventard

Herren:
Brian Joubert
Florent Amodio
Chafik Besseghier

Paare:
Popova/ Massot
James/ Ciprès
Letscher/ Patlasov

Eistanz:
Péchalat/ Bourzat
Carron/ Jones
Zahorski/ Miart

Tschechien

Herren:
Tomáš Verner
Michal Březina
Pavel Kaška

Russland

Damen:
Adelina Sotnikova
Julia Lipnitskaia
Alena Leonova

Herren:
Evgeni Plushenko
Artur Gachinski
Sergei Voronov

Paare:
Bazarova/ Larionov
Stolbova/ Klimov
Martiusheva/ Rogonov
(Volosozhar/ Trankov und Kavaguti/ Smirnov waren nicht am Start wegen Verletzungen von Trankov und Smirnov)

Eistanz:
Bobrova/ Soloviev
Ilinykh/ Katsalapov
Riazanova/Tkachenko

Evgeni Plushenko meldet sich in erstaunlicher Form zurück, hier das Kurzprogramm von der Russischen Meisterschaft:

Japan

Damen:
Mao Asada
Akiko Suzuki
Kanako Murakami

Herren:
Daisuke Takahashi
Takahiko Kozuka
Yuzuru Hanyu

Paare:
Takahashi/ Tran

Eistanz:
Oi/ Mizutani

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Highlights Grand Prix 2011

Viel Text gab es hier bislang zur aktuellen Saison leider nicht – dafür, zum Jahreswechsel, wenigstens einen Rückblick auf die bisherigen Highlights der Saison, vor allem der Grand-Prix-Wettbewerbe.

Alles vierfach?

Bei den Herren setzt sich der Trend zu immer mehr 4fach-Sprüngen fort. Brandon Mroz landete bei der NHK-Trophy als erster in einem internationalen Wettkampf einen astreinen Vierfach-Lutz. Kevin Reynolds versuchte sich beim Cup of China gleich an drei verschiedenen Vierfachen (Salchow, Toeloop, Rittberger; der Rittberger wurde downgegradet). Zum Glück hat die punkttechnische Aufwertung der Vierfachelemente nicht zu einer verstärkten Trennung zwischen „Springern“ und „Künstlern“ auf dem Eis geführt – oben auf dem Treppchen landet nur, wer beide Aspekte kombinieren kann.

Patrick Chan, das Wunderkind der vergangenen Saison, präsentierte sich in der aktuellen Saison bis dato nicht ganz so sprungstabil. Aber läuferisch ist er immer noch beinahe eine Klasse für sich, und so konnte er mit seinen unglaublich hohen Werten in den Komponenten nahezu alle technischen Makel ausbügeln. Im Grand Prix-Finale sprang er die 4fach-3fach-Toeloop-Kombi in die Bande (der 3fach-Toeloop war noch klar auf rückwärts gelandet), setzte gleich darauf sein Programm fort, als wäre nichts gewesen, und gewann das Finale.

Daisuke Takahashi befindet sich nach einigen Schwierigkeiten, vor allem in der Stabilität der Sprungelemente, wieder im Aufwind. Er wurde zweiter im Grand Prix-Finale. Wie man es von ihm kennt, hat er wieder zwei beeindruckende Programme im Gepäck, in die er auf dem Eis seine ganze Seele hineinzugeben scheint. Besonders die auf den Punkt choreographierte Blues-Kür gefällt mir ungeheuer gut (hier von der NHK-Trophy):

In den Grand Prix-Wettkämpfen zeigte Takahashi fast durchweg sehr konstante Sprünge, nur der Vierfache – mal versuchte er den Flip, mal den Toeloop – wollte nicht glücken. Vor wenigen Tagen gelang ihm bei den japanischen Meisterschaften im Kurprogramm jedoch auch dieses Element wieder (Kombi 4fach-3fach-Toeloop). Takahiko Kozuka, der in diesem Jahr das Grand Prix-Finale verpasste, wurde bei den japanischen Meisterschaften zweiter, der Nachwuchsstürmer Yuzuru Hanyu (Dritter im Grand Prix Finale) dritter.

Unbedingt erwähnt werden muss das wunderschöne Kurzprogramm von Jeremy Abott zum Soundtrack von Swing Kids – so gut habe ich Swing auf dem Eis noch niemanden umsetzen sehen (hier vom Grand Prox Finale):

Javier Fernandez, der schon in den vergangenen Jahren für Aufmerksamkeit sorgte, hat sich nach einem Trainerwechsel zu Brian Orser noch einmal gesteigert und ebenfalls zwei unglaublich starke Programme dabei. Und Michal Brezina hat sich mit sehr konstanten Leistungen im Top-Feld der Herren zurückgemeldet.

Sochi voraus

Bei den Damen sorgte vor allem Elizaveta Tuktamysheva für Furore (hier bei Skate Canada):

Schon seit einigen Jahren wird sie als großes Talent gehandelt, in dieser Saison konnte sie ihr Können erstmals beim Senioren-Grand Prix unter Beweis stellen – und gewann prompt ihre beiden Wettkämpfe. Im Finale kam sie allerdings nur auf Rang 4. Ihre Konstanz in den Sprungelementen ist erstaunlich, selbst bei Kombis wie 3Lutz-3Toeloop – allerdings muss sie die Pubertät mitsamt der körperlichen Veränderungen noch durchlaufen. Ihr Laufstil erinnert dagegen wenig an ein junges Mädchen, eher scheint dort eine Jugendliche krampfhaft die reife Frau zu spielen. Hier ist noch viel Spielraum für Entwicklung.

Mao Asada kämpfte sich in dieser Saison mit recht konstanten Leistungen wieder ins Grand Prix Finale, musste ihre Teilnahme aber absagen, da am selben Wochenende ihre Mutter verstarb. Zur großen nationalen Konkurrentin ist Akiko Suzuki geworden, die Asada bei der NHK-Trophy sogar besiegen konnte und im Finale auf Rang 2 kam, hinter Carolina Kostner, die sich in dieser Saison bislang ebenfalls in guter Form präsentiert hat.

Das Feld der Amerikanerinnen ist nach wie vor instabil. Rachael Flatt wirkte bis dato überhaupt nicht in Form, die elegante Alissa Czisny erreichte immerhin das Grand Prix Finale, dort aber mit deutlichem Punktrückstand auf Tuktamysheva nur den fünften Platz. Der Stern der Finninnen strahlt auch nicht eben hell: Kiira Korpi kam bei keinem ihrer Grand Prix-Wettkämpfe aufs Podest, Laura Lepistö musste die Serie verletzungsbedingt absagen.

Dream Teams

Im Paarlauf zeichnet sich in dieser Saison ein enger Konkurrenzkampf zwischen Savchenko/Szolkowy und Volosozhar/Trankov ab. Dem deutschen Paar ist mit der Kür zum Soundtrack von „Pina“ wieder einmal ein Kunstwerk gelungen:

Wenn ihnen bei EM und WM auch noch der 3fach-Wurfaxel gelücken würde, den sie in dieser Saison schon mehrfach im Wettkampf versucht haben, wären sie ihrem großen Traum wohl wieder ein Stück näher.

Und was macht eigentlich…

Brian Joubert: hatte einen reichlich holprigen Start in die Saison, zog seine Teilnahme bei der Nebelhorn-Trophy zurück, dann sagte er wegen Rückenproblemen auch die Grand Prix-Serie ab, ist inzwischen zu seiner Matrix-Kür aus der Saison 03/04 zurückgekehrt und vor wenigen Wochen zum achten Mal französischer Meister geworden.

Evgeni Plushenko: nachdem er (zum wievielten Mal?) sein Wettkampf-Comeback verkündet hat und im Sommer in Moskau bei einer Präsentation der neuen Programme noch reichlich steif aussah, wurde er im Dezember vor Artur Gachinski russischer Meister. Warten wir also ab, was die EM bringt…

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WM 2011 Herren

So lange hat man auf die WM gewartet, und so schnell ist sie vorbei…
Ich hoffe, Ihr habt alle die eine oder andere Möglichkeit gefunden, den Wettkampf zu sehen. Insbesondere der Herrenwettkampf war in der deutschen Fernsehübertragung ja nur mager vertreten.

Ein kurzer Rückblick, ein paar Gedanken:

Japan – Ach, die armen Japaner. Na gut, wenigstens gab es am Ende doch noch eine Medaille, nachdem Takahiko Kozuka eine fabelhafte Kür zeigte und sogar mehr Punkte in der Technik erhielt als Patrick Chan. Sein Silbermedaillengewinn hat mich sehr gefreut, da ich seinen Laufstil unheimlich gerne mag und finde, dass er in den letzten Jahren in den Programmkomponenten nicht immer gerecht bewertet wurde. Ich hoffe, der Erfolg bei dieser WM gibt ihm noch einmal einen Kick in puncto selbstbewusstes Präsentieren.

Weniger glücklich traf es seine Teamkollegen. Nobunari Oda hat anscheinend immer noch Probleme, die Umdrehungen im Sprung zu zählen – er zeigte in seiner Kür dreimal den Dreifach-Toeloop, was das Reglement nicht erlaubt. Dadurch fiel eine ganze Kombination, 3A-3T, aus dem Programm, Basiswert 12,6 Punkte. Nach seinem gelungenen Kurzprogramm lag er auf Platz 2, nach seiner ebenfalls gelungenen Kür (wenngleich ohne 4T, den geplanten Vierfachen sprang er dreifach, daher der überzählige 3T) landete er insgesamt nur auf Platz 6. Es war nicht das erste Mal, dass ihm dieser Fehler im Wettkampf passierte – 2005/2006 verrechnete er sich bei den japanischen Meisterschaften, ebenso bei den Olympischen Spielen und der WM 2006 und letzten Herbst bei Skate America.

Und Daisuke Takahashi? In den Weltmeister des Vorjahrs hatten die Japaner wohl die größten Medaillenhoffnungen gesetzt, schließlich ist er der ausdrucksstärkste Läufer im Team. Nach dem fehlerfreien Kurzprogramm (jedes Mal staune ich erneut über die wunderschöne Schrittpassage, eine der besten im Feld der Herren dieses Jahr) lag er auf Platz 3, doch in der Kür löste sich beim Absprung zum Vierfach-Toeloop eine Schraube seiner Schiene. Er musste das Programm unterbrechen, die Kufe wurde in aller Eile wieder festgeschraubt, doch der Vierfach-Toeloop war natürlich dahin… Hervorragend, wie Takahashi dennoch seine Kür weitergelaufen ist, als wäre nichts gewesen, und einen wundervollen Tango aufs Eis zauberte, von ein paar kleinen technischen Schönheitsfehlern einmal abgesehen. Am Ende reichte es aber nur für Platz 5.

Patrick Chan – Das Wortspiel chan-tastic kursiert schon seit längerem in der Fangemeinde des Kanadiers. Zurecht, das muss man nach Chans Leistung bei dieser WM wohl festhalten. Technisch und läuferisch war er dem Herrenfeld überlegen und brachte zwei beeindruckend makellose Programme mit drei blitzsauberen 4Toeloops aufs Eis. Ob Chans Abstand zum übrigen Feld der Läufer tatsächlich so gewaltig ist, wie sein Punktvorsprung von über 22 Punkten suggeriert, sei dahingestellt. Ich war von seiner Leistung begeistert – auch wenn sie nach Chans bisherigem Saisonverlauf zu erwarten war, musste sie ja trotzdem erstmal aufs Eis gebracht werden.

Die Franzosen – Ach, es war nicht die Saison von Brian Joubert. Der Franzose scheint immer noch damit beschäftigt, sich selbst auf dem Eis neu zu finden, aber ich denke, mit seiner Kür bei der WM ist er der Sache ein großes Stück näher gekommen, auch wenn er das erste Mal seit Jahren ohne WM-Medaille nach Hause fahren musste. Ein neues, ausgesprochen vorteilhaftes Kostüm, ein fast eleganter Laufstil – auf einmal schien da ein gereifter Brian Joubert übers Eis zu gleiten. Wie schon bei der EM kämpfte er sich in der Kür wacker nach vorne, aber in Moskau reichte es in diesem Jahr nur für Platz 8.

Wie bei der EM lag er damit einen Platz hinter Florent Amodio. Der amtierende Europameister lief mit bemerkenswert viel Energie und Selbstbewusstsein durch seine Programme. Ich bezweifele allerdings, dass es ihm viel gebracht hat, seine Michael-Jackson-Kür in Moskau gegen die Wettkampfregeln mit Gesangspassagen zu spicken, zumindest hat das Programm dadurch in meinen Augen nichts gewonnen. Naja, kein Punktabzug, Pubertät ausgelebt.

Artur Gachinski – Endlich wieder Licht im Feld der russischen Herren! Artur Gachinski, seit Jahren ein Fan von Plushenko, macht sich mit dem Gewinn der Bronzemedaille jetzt daran, selbst ein Star in Russland zu werden. Im Kurzprogramm wirkte er auf mich noch sehr wie der Schatten von Plushenko. Sehr gut hat mir dagegen die Kür gefallen, da Gachinski hier einen anderen, eigenen Stil läuft: russischen Slapstick, erstaunlich gut präsentiert.

Die Tschechen, Tomas Verner und Michal Brezina, haben in den letzten Monaten nicht gerade durch konstante Leistungen überzeugt. Beide sind große Eislauftalente, doch der landesinterne Konkurrenzkampf scheint sie nicht unbedingt zu beflügeln. Brezina hatte nach einer Operation am Anfang der Saison Mühe, zu seiner Form zurückzufinden. Er konnte sich in der Kür auf den vierten Platz vorarbeiten, Verner stürzte in der Kür auf Rang 12 ab.

Javier Fernandez: Glückliches Spanien! Als Javier Fernandez in seiner ohnehin schon famosen Karibik-Piraten-Kür (der trunkene Kreisschritt hat ihm vermutlich internationale Bekanntheit gesichert) nach dem 4-Toeloop einen noch bombastischeren Vierfach-Salchow nachlegte, blieb mir der Mund offen stehen. Hut ab!

Hier noch mal zum Nach-Sehen, in der italienischen Fassung von RAI, bei youtube hochgeladen von RiservaISUMosca2011, wo dankenswerter Weise der gesamte Herrenwettkampf angeschaut werden konnte:

USA: Im US-amerikanischen Team fehlten in diesem Jahr zwei bekannte Gesichter: Jeremy Abbott und Adam Rippon konnten sich bei den US Nationals nicht für die WM qualifizieren. Statt ihrer reisten Richard Dornbush, Ross Miner und Ryan Bradley nach Moskau. Richard Dornbush landete auf Platz 9, Miner, der mit seiner schön interpretierten Casablanca-Kür nicht ganz so erfolgreich war wie anno dazumal der legendäre Kurt Browning, auf Platz 11 und Bradley, der US-Meister 2011, auf Platz 13.

Peter Liebers kam mit zwei schönen und weitgehend fehlerfreien Programmen auf Platz 16. Das gibt hoffentlich Rückenwind für die nächste Saison.

Evgeni Plushenko saß zwar nur auf der Zuschauertribüne, das russische Fernsehen brachte ihn aber trotzdem oft ins Bild. Seine Miene war fast so versteinert wie die von Alexei Mishin. Was ihm wohl durch den Kopf ging, als er Chans Kür zuschaute? Tatiana Tarasova jedenfalls, die ebenfalls zur russischen Eislaufprominenz in der Halle zählte, spendete mit weitaus lebhafterer Mimik Standing Ovations. Plushenko macht derweil wieder einmal von sich reden – er strebt die Wiederherstellung seines Amateurstatus‘ an und spekuliert schon einmal über einen Start in Sochi 2014. Dann wäre er 31 Jahre alt.

Das Wertungssystem: Eine Notiz am Rande: Schaut man in die Judges Sheets der diesjährigen WM, fällt auf, das die Preisrichter ausgesprochen hohe GOEs verteilt haben (Plus- bzw. Minuspunkte auf die ausgeführten Elemente). Die erstplatzierten Läufer erhielten des öfteren eine +3 in den GOEs – so kann man natürlich auch Rekorde schaffen.

Hier gibt es alle Ergebnisse.

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Four Continents 2011

Kurze Notiz zu den Four Continents, die vom 15.-20. Februar in Taipeh stattfanden:

Daisuke Takahashi, Miki Ando, Quin Pang/Jian Tong und Meryl Davis/Charlie White konnten in diesem Jahr die Titel holen und noch einmal einen guten Schuss Selbstvertrauen für die nicht mehr allzu fernen Weltmeisterschaften mit aus dem Wettkampf nehmen.

Das Ergebnis im Paarlaufen war nicht besonders überraschend, Pang/ Tong waren die klaren Favoriten und holten ihren fünften Four Continents-Titel. Platz zwei und drei gingen nach Kanada an Duhamel/Radford und Lawrence/ Swiegers. Im Eistanzen führten nach dem Short Dance die Kanadier Tessa Virtue/ Scott Moir, verletzungsbedingt brachen sie die Kür aber ab und machten den Weg für die US-Amerikaner Davis/White frei. Platz zwei ertanzten sich Shibutani/Shibutani aus den USA, auf Platz 3 landeten die Kanadier Crone/Poirier, gefolgt von ihren Landsleuten Weaver/Poje.

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In den Einzeldisziplinen gingen die Titel nach Japan – was ebenfalls keine große Überraschung war. Eine kleine Überraschung gab es dann aber doch: Takahashi, der bei den japanischen Meisterschaften im Dezember nur Dritter im Bund der japanischen „starken Drei“ Kozuka, Oda, Takahashi wurde, zeigte sich wieder in starker Form und gewann sowohl Kurzprogramm wie Kür – auch wenn der Vierfach-Toeloop in der Kür auf einen 3T downgegradet wurde. Yuzuru Hanyu, der seine erste Saison bei den japanischen Senioren läuft, kam mit sauberen Programmen auf Platz zwei – das nächste Talent unter den japanischen Herren, auch wenn sein Laufstil teilweise noch etwas schlacksig wirkt. Takahiko Kozuka hatte im Kurzprogramm offenbar einen Black Out in der Sprungkombination, ließ den zweiten Sprung des Elements aus und machte auch bei den anderen Sprungelementen Fehler, so dass er sich mit Platz 6 begnügen musste. In der Kür startete er mit einem sauberen Programm aber eine kleine Aufholjagd und kam mit der zweitbesten Kür insgesamt noch auf den vierten Platz. Dritter wurde Jeremy Abott, fünfter Adam Rippon. Schade, dass wir diese beiden bei den Weltmeisterschaften nicht sehen werden. Auch Hanyu ist bei der Senioren-WM nicht am Start, dort wird Nobunari Oda antreten.

Auch bei den Damen gingen Platz 1 und 2 an Japan, denn Mao Asada holte hinter Ando die Silbermedaille. Die amtierende Weltmeisterin scheint ihre Form endgültig wiedergefunden zu haben, sprang in der Kür einen guten 3Axel und lief ausdrucksstärkere Programme als ihre größte Konkurrentin Miki Ando, die vor allem mit technischer Routine punktete. Auf Platz 3-5 kamen die US-amerikanischen Damen Mirai Nagasu, Rachael Flatt – deren Längsschrittpassage im Kurzprogramm mit übrigens sehr gut gefallen hat, unheimlich ausdrucksstark – und Alissa Csizny, Cynthia Phaneuf aus Kanada lief auf den sechsten Rang, Akiko Suzuki patzte bei mehreren Sprungelementen und kam nur auf den siebten Platz.

Hier kann man alle Ergebnisse der Four Continents finden.

Und jetzt geht es auf die Zielgerade zu den Weltmeisterschaften… zuvor findet vom 28.2. bis zum 6.3. im koreanischen Gangneung allerdings noch die Junioren-WM statt.

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Update

Nach einer langen Weihnachtspause und frostiger Winterstarre geht es endlich weiter auf dem Eis – die Saisonhöhepunkte stehen vor der Tür: in der kommenden Woche beginnt die EM in Bern, Mitte Februar folgt das außereuropäische Äquivalent, die Four Continents in Taipeh, und am 21. März beginnt die WM in Tokyo. Kaum ein anderer Ort wäre in diesem Jahr als Austragungsstätte geeigneter, denn was die japanischen Einzelläufer zeigen, ist enorm.

Vielleicht hat ja der eine oder die andere von Euch in der Weihnachtswoche einen Blick auf die Japanischen Meisterschaften geworfen. Die Fans von Mao Asada können jedenfalls aufatmen, denn Asada scheint endlich wieder zu ihren Sprüngen zurückgefunden zu haben und musste sich nur einer noch sprungewaltigeren Miki Ando geschlagen geben, deren Kür das Publikum von den Sitzen gerissen hat. Der amtierende Weltmeister Takahashi blieb gleich hinter zwei Teamkollegen zurück, neuer japanischer Meister ist Takahiko Kozuka, der nach seinem Kurzprogramm ehrlich verblüfft war, dass er nicht nur für alle Pirouetten, sondern auch für die Schrittpassage Level 4 erhielt. Sympathisch bescheiden. Ich hoffe, die Erfolge dieser Saison geben ihm das nötige Selbstvertrauen für den ganz großen Durchbruch.

Wen’s interessiert, hier sind die Ergebnisse, und hier ein paar Höhepunkte:

Murakamis erfrischend schwungvolles Kurzprogramm:

Kozukas Soul Man, und sein ungläubiger Blick im anschließenden Interview, als die Moderatorin ihm vom Level 4 für den Schritt erzählt:

Die Kür von Asada, die ganz anders wirkt, wenn die Sprünge funktionieren:

Miki Andos blitzsaubere Kür:

Und die Kür von Takahashi, ein echtes Tango-Kunstwerk – obwohl ich immer etwas gegen diesen spitzen Kragen am Kostüm angucke:

Vor der EM wird es in den USA noch einmal spannend, denn vom 22.-30. Januar finden dort die nationalen Meisterschaften statt.

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NHK Trophy 2010

Das erste Grand-Prix-Wochenende ist vorüber. Was bleibt hängen?

Carolina Kostner, Rachel Flatt und Kanako Murakami kamen bei den Damen aufs Treppchen

Ein etwas trauriger Damen-Wettkampf. Besonders traurig war es, der amtierenden Weltmeisterin Mao Asada zuzuschauen, die die Mehrzahl ihrer Sprünge, so scheint es, nur noch einfach landet. Selten habe ich eine Läuferin ihrer Klasse so die Sprünge verlieren sehen. In der Kür mochte ich kaum noch hinsehen, so trostlos war der Anblick. Ob sie sich in dieser Saison noch fängt? Das Grand Prix-Finale jedenfalls kann sie nach ihrem achten Platz bei der NHK-Trophy so gut wie vergessen.

Auch etwas traurig: Carolina Kostner gewann den Damenwettkampf, ohne ein einziges Mal Flip oder Lutz zu zeigen (*update: wegen einer Knieverletzung ist ihr Sprunrepertoire eingeschränkt*). Die zweitplatzierte Rachel Flatt zeigte alle Sprünge und lief vor allem in der Kür solide. Allerdings scheint sie sich choreographisch auf Swing/Charleston-Elemente festgelegt zu haben. Letztes Jahr hat mir ihr Swing-Kurzprogramm gut gefallen, aber nachdem ich in diesem Jahr sowohl im Kurzprogramm wie in der Kür wieder eine Swing-Choreo sehe, bin ich etwas übersättigt.

Apropos übersättigt: Wenn nicht Swing, dann Tango – darauf scheinen sich in dieser Saison (fast) alle verabredet zu haben. Nicht nur im Eistanz-Kurztanz, auch bei Herren und Damen gab es viele, viele Tango-Programme. Darunter Perlen wie Takahashis Kür, aber auch weniger innovative Nummern.

Erfreulich war das Seniorendebut einiger junger japanischer Läufer: Kanako Murakami wurde dritte der Damen, auch Yuzuru Hanyu, der erst im Dezember 16 wird, schlug sich im viel stärkeren Herrenfeld wacker (4. Platz), und sogar im Paarlaufen gibt es  mit Takahashi/Tran jetzt ein japanisches Paar, das man im Auge behalten sollte. Die beiden holten die Bronzemedaille.

Uh-...

Begeistert haben mich die neuen Programme von Jeremy Abbott, der auf den zweiten Platz kam. Sowohl das Flamenco-Kurzprogramm als auch die Kür zu „La vita è bella“ sind wundervoll choreographiert (allerdings fand ich für das Flamenco-SP das Kostüm, das Abbott vor einigen Wochen im Schaulaufen benutzte, passender – der förmliche schwarzweiße Anzug schluckt einiges an Energie). Dass die neuen Programme von Takahashi, vor allem das Latin-Kurzprogramm, wieder mal ganz großes Eislauf-Kino sind, wusste ich ja bereits. Seine Kür hat mir bei der NHK-Trophy viel besser gefallen als bei den Japan Open, der Tango beginnt zu leben. Dazu gab’s einen astreinen Vierfach-Toeloop, und verdientermaßen die Goldmedaille.

Gut gefallen haben mir auch die Programme des Kanadiers Shawn Sawyer, der in der Kür Johnny Depp alias Hutmacher aus Alice spielt. Sawyer kam mit Problemen beim Axel allerdings nur auf den fünften Platz. Dritter bei den Herren wurde der Franzose Florent Amodio, den ich in der Kürwertung mit einem weinenden Auge sogar an Jeremy Abbott vorbeiziehen sah. Zwar stand Amodio mehr Dreifach-Sprünge und erhielt berechtigt einen höheren technischen Wert als der Amerikaner, trotzdem bin ich kein Fan seiner Michael Jackson-Kür. Die vielen Schnitte zerhacken die Musik und die Einheit des Programms, und bei all den vielen Show-Einlagen gerät der Lauffluss mitunter arg ins Stocken – oder kommt ganz zum Stehen.

Pang/Tong gewannen, wie vorherzusehen, solide den Paarlaufwettkampf, Davis/White noch solider den Eistanzwettbewerb. Die einzigen deutschen Teilnehmer, die Paarläufer Hausch/Wende, kamen auf den siebten Platz.

Da die großen Konzerne emsig über ihre Rechte wachen, findet man schon heute nicht mehr alle Videos des Wettkampfs bei Youtube. Traurige Sache.

Hier sind alle Ergebnisse der NHK-Trophy. Nächste Grand-Prix-Station ist Skate Canada in Kingston, Ontario. Wer dort am Start ist, steht hier.

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