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Nach Sochi mit Text

Auf dem diesjährigen ISU-Kongress in Kuala Lumpur wurden – wie in jeder Saisonpause – einige Änderungen am ISU-Wertungssystem beschlossen. Hier die wichtigsten (aus dem Einzellauf) in Kürze:

  • Ab der kommenden Saison gibt es nicht wie bislang vier, sondern fünf Level für Pirouetten- und Schrittelemente. Neu ist das Basic Level (Level B, quasi 0) für Elemente, die keines der vorgegebenen Features erfüllen, jetzt aber trotzdem einen Punktwert erhalten.
  • Ein paar Änderungen an den Level-Features für Pirouetten und Schritte wurden ebenfalls vorgenommen – daran, dass der Aufbau von Pirouetten und Schritten mit möglichst hohen Leveln in einem Programm höherer Mathematik nahe kommt, ändert sich allerdings nichts. Vermutlich werden wir in der kommenden Saison viele ähnliche Pirouetten sehen, da die Variationsspielräume immer geringer werden, will man hohe Level erreichen.
  • Für Schrittpassagen ist nicht länger ein Spurenbild vorgegeben (Kreisschritt, Längsschritt, Serpentinschritt), sie können jetzt frei gestaltet werden, einzige Vorgabe: die gesamte Fläche der Bahn muss genutzt werden.
  • Die Choreographic Sequence ersetzt den Choreo-Step bzw. die Choreo-Spirals. In sie können auf einem selbstgewählten Spurenbild neben Schritten und Drehungen Elemente wie nicht gelistete Sprünge, Flieger, Ina Bauer, Hydroblade, Mond etc. eingebaut werden. Für Damen und Paare ist eine Fliegerposition beliebiger Länge obligatorisch.
  • Auch im Kurzprogramm werden die Elemente in der zweiten Programmhälfte jetzt mit einem Faktor multipliziert, so dass sie einen höheren Punktwert erhalten. Vielleicht sehen wir in der kommenden Saison also nicht ganz so oft den Einheitsaufbau mit den drei Sprungelementen am Anfang des Programms.

Eine recht weitreichende Regeländerung, die schon länger diskutiert wurde, mit der ich aber dennoch so schnell nicht gerechnet hatte, tritt nach den Olympischen Spielen in Sochi in Kraft: Ab der Saison 2014/15 darf auch im Paarlauf und im Einzellauf im Wettkampf Musik mit Gesang benutzt werden. Sicher ein Versuch, den Eiskunstlauf einem breiten Fanpublikum zugänglicher zu machen und den Sportlern mehr Freiräume in der Musikwahl zu geben. Und vielleicht verringert es die Zahl der überbenutzten und sattgehörten Eislauf-Evergreens, die jede Saison aufs Neue aus der Plattenkiste gekramt werden. Das wäre wirklich nicht schlecht.

Ich bin sehr gespannt, wie diese Regeländerung sich auf die Programme auswirken wird. Ich hoffe, sie bringt eine größere Vielfalt in den Wettkampf. Jedenfalls glaube ich kaum, dass ab 2014/15 nur noch Popsongs über die Eisbahn schallen werden. Aber um ehrlich zu sein – eigentlich sind mir schon jetzt, im Eistanz, wo Gesang bereits seit einiger Zeit erlaubt ist, die Programme ohne Worte, mit Eiskunstlauf pur, die liebsten. Was meint Ihr?

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So tanzt man den Short Dance

Eine der bedeutendsten Regeländerungen für die kommende Saison ist die Abschaffung des Pflichttanzes im Eistanzen. Statt Pflicht- und Originaltanz gibt es künftig, entsprechend dem Kurzprogramm der Kunstläufer, nur noch den sogenannten Short Dance. In einem ISU-Video zeigen die amerikanischen Eistänzer Jane Summersett und Tod Gilles, wie dieser Short Dance ausehen kann.

Für meine im Eistanz relativ unkundigen Augen sieht er tatsächlich wie eine recht exakte Mischung aus Pflicht- und Originaltanz aus. Im ersten Teil wird zu Walzerrhythmus das Spurenbild des Golden Waltz gelaufen (die Vorgabe in der Saison 2010/11), im zweiten Teil wechselt der Rhythmus zum Tango, jetzt gleicht der Tanz eher einem Originaltanz, mit ungefassten Schrittpassagen, Side-by-side-Twizzelelementen und einer Hebung. Der Short Dance dauert 2.50 Minuten.

So bunt und variantenreich, wie in den vergangenen Jahren die Originaltänze ausfielen, wird der Short Dance vermutlich nicht ausfallen. Aber ganz sicher unterhaltsamer fürs Publikum als ein reiner Pflichttanz.

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