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Laufschule: Vorwärts übersetzen

Nach langer Unterbrechung kommt hier ein weiteres Kapitel aus der Eislaufschule (für Anfänger). Zwar gibt es momentan nicht allzu viele Gelegenheiten zum Üben in der Praxis, und bei den aktuellen Temperaturen liegt wohl der Strand gedanklich näher als die Eishalle, aber der nächste Winter kommt bestimmt…

Nach ein paar grundsätzlichen Betrachtungen zu den Kanten der Kufe und den Laufschritten vorwärts folgen als nächstes die Kurven – denn schließlich will man ja nicht immer strikt von Bande zu Bande laufen. Man kann sich zwar auch mit Laufschritten um die Kurve mogeln, es geht aber viel bequemer: mit Übersetz-Schritten.

Das Übersetzen vorwärts und rückwärts ist die klassische Technik, um Bögen und Kurven zu laufen und dabei Tempo aufzunehmen, zum Beispiel im Anlauf für einen Sprung. Am besten übt man es zunächst im Kreis, rechts und links herum, und dann auf einer Acht.

So funktioniert’s:

Übersetze ich vorwärts gegen den Uhrzeigersinn im Kreis, setze ich zunächst einen Schritt mit links auf die Auswärtskante. Der rechte Fuß kreuzt nun vorne über den linken und schiebt sich mit der Einwärtskante (Druck auf dem großen Zeh!) vorne und innen im Kreis über den linken Fuß aufs Eis. Für einen Moment sind beide Füße auf dem Eis, aber sobald der rechte Fuß aufgesetzt hat, drückt sich der linke schon wieder vom Eis ab, das linke Bein wird über der Kreislinie seitlich nach hinten gestreckt, mit der Kufe parallel zum Eis. Während der rechte Fuß weitergleitet, kommt nun wieder der linke Fuß nach vorne und wird innen im Kreis neben den rechten gesetzt, mit einem kraftvollen Schub auf die Auswärtskante (Druck auf den kleinen Zeh!). Der rechte Fuß drückt sich wieder vom Eis ab, um dann erneut mit der Einwärtskante vor den linken Fuß zu kreuzen.

Wenn man es genau nimmt, sind sämtliche Übersetzschritte kleine Bögen, einmal ein Auswärtsbogen mit dem linken Fuß, dann ein Einwärtsbogen mit dem rechten Fuß.

Die Arme orientieren sich an der imaginären Kreislinie, umarmen quasi den Kreis. Rechter Arm und rechte Schulter sind vorne und ziehen in den Kreis hinein, linker Arm und linke Schulter hinten, die Brust ist leicht zur Kreismitte gedreht. Die Linie der Schultern arbeitet gegen die Linie der Hüften, so dass der Körper leicht verdreht ist.

Für die andere Kreisrichtung gilt das Muster entsprechend spiegelverkehrt.

Worauf es ankommt:

Abstoßen! Trainern könnte man eigentlich ein Schild basteln, damit sie nicht ständig »Abstoßen!« brüllen müssen. Schließlich sollen sich die Ähnlichkeiten zwischen Eisläufern und Schnecken in Grenzen halten.
Kniearbeit! Mit durchgestreckten Beinen lässt sich nicht abstoßen. Für einen kraftvollen Abstoß muss also das Knie gebeugt werden. Anfangs geht das ziemlich auf die Oberschenkel, aber Muskeln wachsen bekanntlich durchs Training. Wichtig ist, während des gesamten Prozesses nicht auf und ab zu wippen und ruckartig aus dem Knie hochzukommen, sondern gleichmäßig tief im Knie zu bleiben.
Die Kreislinie halten! Eine saubere Kreislinie erreicht man nicht nur dadurch, dass die Füße korrekt gesetzt werden. Auch der Winkel, in dem das freie Spielbein gestreckt wird, beeinflusst die Kreislinie, außerdem die Armhaltung und der Winkel, in dem der Körper sich in den Kreis hineindreht, bzw. die Verdrehung zwischen Schulter- und Hüftlinie.

In diesem Video von expertvillage wird der ganze Prozess samt Vorübungen noch einmal anschaulich gemacht:

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Es geht vorwärts, immer geradeaus

Wie im Eintrag Zwei Kufen und vier Kanten schon gesagt: Eiskunstläufer laufen nicht geradeaus. Selbst dann nicht, wenn es so aussieht, als laufen sie geradeaus. Denn wenn man mit den Schlittschuhen wie mit gewöhnlichen Schuhen über das Eis marschiert oder sich auf einer geraden Linie vorwärtsschiebt, kommt man nicht besonders weit – okay, weit kann man schon kommen, aber von einer Bande bis zur nächsten ist man ziemlich lange unterwegs.

Vier Schritte vorwärts

Vier Schritte vorwärts

Schneller geht es auf folgende Weise: Die einzelnen Schritte führen nicht genau geradeaus, sondern in einer Art Zickzackmuster jeweils schräg zur Seite. Man startet aus einer V-Position, die Hacken der Schlittschuh aneinandergestellt, wie in der 1. Position im Ballett. Nun führt der erste Schritt zum Beispiel mit dem linken Fuß schräg nach links, der zweite mit dem rechten Fuß schräg nach rechts, und immer so weiter. Je kraftvoller der Abstoß, desto mehr Fahrtwind weht um die Nase.

Für einen guten Abstoß gibt es einen simplen Trick: Ins Knie gehen! Vor jedem neuen Schritt werden die Knie gebeugt, und man schiebt sich mit gebeugtem Knie vorwärts auf das neue Standbein. Während man gleitet, streckt sich das Standbeinknie nach und nach, bis es für den nächsten Schritt wieder stärker gebeugt wird. Das freie Spielbein wird während des Gleitens gerade nach hinten gestreckt, und zwar genau über der Fahrspur.

Alles klar? Dann kann es ja losgehen!

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Zwei Kufen und vier Kanten

Als ich anfing, einfache Kunstlaufschritte zu üben, war mir vieles schleierhaft. Dass man sich irgendwie auch rückwärts auf den Schlittschuhen bewegen konnte, spürte ich noch gerade so. Das Übersetzen fühlte sich eher wie ein hölzernes Staken an als wie eine harmonische Kombination aus Abstoß und Gleiten, doch auch das schien mir mit einigem Üben eben noch machbar. Aber wie wechselte man elegant von vorwärts nach rückwärts? Wie sollte es physisch möglich sein, auf einem Bein zu fahren und dabei ständig die Richtung zu wechseln, ohne zu springen? (Später erfuhr ich, dass dieser Schritt Gegendreier heißt und dass er physisch sehr wohl möglich ist.)

An die Kanten habe ich damals kaum einen Gedanken verschwendet. Klar, ich konnte linksherum einen Bogen fahren und rechtsherum. Aber dass ich dabei die beiden Kanten der Kufe benutzte, war mir nicht wirklich bewusst. Erst nach und nach ging mir auf, welche Rolle die Kanten beim Eiskunstlaufen spielen: eine tragende Hauptrolle, und zwar nicht nur im Wortsinn.

Ein Schlittschuh und zwei Kanten

Ein Schlittschuh und zwei Kanten

Eiskunstläufer laufen nämlich erstens niemals auf zwei Füßen und zweitens niemals geradeaus (Ausnahmen bestätigen die Regel). Statt Kringelkratzer – O-Ton der örtlichen Eishockeyspieler –  sollte man sie vielmehr Bogenläufer nennen. Um einen einfachen Bogen zu laufen, gibt es exakt acht Möglichkeiten, denn zur Verfügung stehen zwei Füße, zwei Laufrichtungen und unter jedem Fuß zwei Kanten, die Einwärts- und die Auswärtskante, die durch den Hohlschliff der Kunstlaufkufe zustande kommen. Hinter der Bezeichnung einwärts und auswärts verbirgt sich nichts anderes als die Innen- und die Außenkante des jeweiligen Fußes. Ich kann also auf meinem linken wie auf meinem rechten Fuß vorwärts einwärts, vorwärts auswärts, rückwärts einwärts und rückwärts auswärts fahren.

Zu den ersten Schritten auf dem Eis gehört es, Sicherheit auf allen Kanten zu erlangen. Wie man dabei den übrigen Körper hält (Spielbein, Hüfte, Schultern, Arme), lässt man sich am besten in natura von einem Trainer oder einem erfahrenen Läufer zeigen. Wenn man das Spiel beherrscht, kann man auf den Kanten Kreise laufen. Und wenn es schließlich gelingt, die Kreise durch Fußwechsel, Drehungen oder Kantenwechsel zu Halbkreisen, Achten und anderen vom Kreis hergeleiteten Figuren zu verbinden, dann hat man nicht nur das kleine, sondern auch das große Einmaleins des Kunstlaufens intus und kann sich an Bruchrechnung, Integrale und andere schöne Dinge machen, um die Kreisverbindungen so kompliziert wie möglich zu gestalten.

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