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Skate Canada 2010

Das zweite Grand-Prix-Wochenende ist vorbei, und die Saison kommt allmählich in Schwung. Die Herren zauberten in Kingston einen Vierfachen nach dem anderen aus dem Hut, der junge Kanadier Kevin Reynolds zeigt sogar sowohl im Kurzprogramm wie in der Kür Vierfachsalchow und Vierfachtoeloop, noch dazu in Kombination. Die ISU-Regeländerungen machen sich bemerkbar. Trotzdem, und das ist gut, reichen die Vierfachen nicht per se zum Sieg – Reynolds lag nach seinem nahezu fehlerlosen Kurzprogramm hinter Nobunari Oda, der keinen Vierfachen zeigte.

Patrick Chan of Canada holds his first place medal after skating his free program during Skate Canada International in Kingston October 30, 2010.    REUTERS/ Mike Cassese, via daylife.com

Der frisch verheiratete Oda ist, soviel steht fest, nach seinem Absturz in der letzten Saison wieder da. Er hat ein ungewöhnliches, klassisch japanisches Kurzprogramm im Gepäck (Storm von den Yoshida Brothers) und eine klassisch europäische Kür (Klavierkonzerte von Grieg). Oda gewann das Kurzprogramm und präsentierte auch seine Kür fast fehlerlos. Trotzdem reichte es nur zum zweiten Platz. Manche schreiben es dem Heimbonus zu, dass Patrick Chan die Kür mit deutlichem Abstand gewann und sich nach einem Kurzprogramm mit drei Stürzen (einer davon in der Schrittpassage…) vom vierten auf den ersten Platz vorschieben konnte. Aber in der Kür zeigte Chan einen hervorragenden 4-Toeloop, und was das Kantenlaufen und die Programmkomponenten betrifft, war ihm in meinen Augen in Kingston keiner der anderen Herren wirklich gewachsen. Obwohl auch Adam Rippon zwei fabelhafte Programme aufs Eis legte, mit denen er Dritter wurde.

Überlegung am Rande: Was mag Alban Préaubert dazu bewogen haben, klassische Musik für die Kür zu wählen? Er machte nicht den Eindruck, als gehe er darin auf (was mich auch erstaunt hätte…).

Das kanadische Paar Moore-Towers/Moscovitch riss mit einer gelungenen Kür und zwei spektakulären Hebefiguren das Publikum von den Stühlen. Das war ebenso schön anzuschauen wie die Kür selbst, mit der sie sich vom 5. Platz nach dem Kurzprogramm auf den zweiten Platz vorschieben konnten. Sieger des Paarlaufwettkampfs wurden die Russen Iliushechkina/Maisuradze.

KINGSTON - OCTOBER 30:  Alissa Czisny of the United States skates to a 1st place finish in the ladies free skating during 2010 Skate Canada International at the K-Rock Centre October 30, 2010 in Kingston, Ontario, Canada.  (Photo By Dave Sandford/Getty Images)Den Damenwettkampf konnte die Amerikanerin Alissa Czisny in einem schwer berechenbaren Feld mit einer gelungenen Kür für sich entscheiden. Ich bin gespannt, ob sich aus dem relativ breiten Feld der amerikanischen Damen in dieser Saison ein oder zwei Favoritinnen absetzen können. Agnes Zawadzki, die in dieser Saison erstmals bei den Senioren startet, zeigte ein gutes Kurzprogramm und starke Sprünge (wenngleich mir das Kostüm nicht eben zusagte; eine Art Red Sonja in Pink?), patzte aber in der Kür. Cynthia Phaneuf aus Kanada zeigte das beste Kurzprogramm, kam aber ebenfalls nicht sauber durch die Kür. Nahezu die einzig Beständige im unbeständigen Damenfeld war die Russin Ksenia Makarova, die auf den zweiten Platz kam.

Das deutsche Eistanzpaar Frohberg/Giesen kam auf den achten Platz. Die Kanadier Crone/Poirier gewannen die Kür und den Gesamtwettkampf vor den Briten Kerr/Kerr und den Amerikanern Chock/Zuerlein.

Hier findet man alle Ergebnisse von Skate Canada 2010 inklusive der Preisrichterprotokolle.

Hier die Kür von Patrick Chan, die mich immer noch mitreißt, obwohl es eine überarbeitete Version aus dem Vorjahr und der Dauerdudler „Phantom der Oper“ ist (via aricozzz):

Odas Japan-Kurzprogramm (via spfds01):

Und die Kür der flattergewandeten Alissa Czisny (via BlueIce Skating):

Am nächsten Wochenende geht es nach Peking zum Cup of China. Auch da wird es wieder spannend: Takahiko Kozuka ist am Start, Tomas Verner, der sich in dieser Saison hoffentlich wieder berappeln kann, der neu motivierte Brian Joubert, Peter Liebers, Miki Ando, die gute Chancen hat, die Führung unter den japanischen Damen zu übernehmen, wenn Mao Asada so weitermacht, Mirai Nagasu und Pang/Tong.

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Grand Prix VI: Skate Canada

Im kanadischen Kitchener ging am Wochenende mit Skate Canada die Serie der sechs ISU Grand Prix-Wettkämpfe zu Ende – zumindest fast: in knapp zwei Wochen treffen sich die sechs Besten jeder Kunstlaufdisziplin zum Finale in Tokyo.

Mit im Finale sind Aliona Savchenko und Robin Szolkowy, die bei Skate Canada den Paarlaufwettkampf mit 206,71 Punkten gewannen und damit einen neuen „Weltrekord“ aufstellten. Nach der verpatzten Kür bei der Trophée Eric Bompard sind die beiden in Kanada mit einer ganz neuen Kür zu „Jenseits von Afrika“ angetreten. Wunderschönes Programm! Das fanden auch die Preisrichter: in den Programmkomponenten blitzte bei einem Preisrichter für Choreographie und Interpretation eine 9,75 auf, für die Performance sogar die Höchstnote 10,0. Das gab es seit Einführung des Neuen Wertungssystems meines Wissens noch nicht. Mehr zur rasanten Kürumstellung ist auf den Seiten der FAZ zu lesen. Und hier zum Genießen das neue Kürprogramm:

Zweite im Paarlaufen wurden die Russen Mukhortova/ Trankov mit 185,71 Punkten, dritte die Kanadier Dube/Davison mit 166,93 Punkten. Im Grand Prix-Finale in Tokyo werden Savchenko/Szolkowy gleich auf drei chinesische Paare treffen: Shen/Zhao, Pang/Tong und Zhang/Zhang, außerdem auf die Russen Kavaguti/Smirnov und Mukhortova/Trankov. Es gibt also schon mal einen kleinen Vorgeschmack auf Vancouver.

Den Herrenwettkampf gewann der Amerikaner Jeremy Abbott mit zwei eindrucksvollen Programmen, einem bombastischen Vierfach-Toeloop und super Pirouetten in der Kür (insgesamt 232,99 Punkte), dicht gefolgt von Daisuke Takahashi (231,31 Punkte), der sich damit den Einzug ins Finale sichern konnte. Lachender Dritter wurde der Franzose Alban Preaubert. Nicht eben ein Haltungswunder, aber das macht er durch Ulk und Exzentrik in seinen Programmen wett, und „Clockwork Orange“ (das aktuelle Kurzprogramm) ist gar keine so schlechte Musikwahl für ihn. Der Tscheche Michal Brezina kam auf den vierten, Samuel Contesti auf den fünften Platz. Der Kanadier Patrick Chan, zweiter der Weltmeisterschaften des letzten Jahres und eigentlich Favorit des Wettkampfs, erreichte nur Platz 6. Im Kurzprogramm machte er einige technische Fehler, in der Kür stürzte er beim zweiten DreifachAxel ziemlich unglücklich und setzte die meisten der folgenden Sprungelemente in den Sand. Trotzdem zählte Chan zu den besten Läufern am Start und hat in der Olympiasaison schöne Programme im Gepäck. Vor allem seine „Phantom der Oper“ Kür ist sehenswert, thematisch zwar ein alter Hut, hier aber in einer musikalisch hörenswerten Version, und vor allem toll choreographiert und gelaufen (jetzt muss man sich nur noch die Stürze wegdenken…):

Im Grand Prix-Finale in Tokyo werden Nobunari Oda, Brian Joubert, Jeremy Abbott, Daisuke Takahashi, Evan Lysacek und Johnny Weir am Start sein.

Den Damenwettkampf gewann, sehr zur Freude des Publikums, die Kanadierin Joannie Rochette (182,90 Punkte) vor Alissa Czisny (163,53 Punkte) und Laura Lepistö (158,52). Vierte wurde Mirai Nagasu, fünfte Akiko Suzuki. Insgesamt gab es bei vielen Starterinnen etliche Patzer und eine Menge Doppelsprünge zu sehen. Ich nehme nicht an, dass das eine Solidaritätsbekundung mit Yu-Na Kim war, die sich bei Skate America in der Kür tatsächlich einmal von einer schwächeren Seite zeigte als gewohnt… Für Suzuki reichte auch der fünfte Platz noch, um sie ins Finale zu bringen. Dort wird sie auf Yu-Na Kim, Miki Ando, Joannie Rochette, Ashley Wagner und Alena Leonova treffen.

Im Eistanzen sicherten sich die Kanadier Virtue/Moir mit einem Sieg den Einzug ins Finale, zweite wurden die Franzosen Pechalat/Bourzat, dritte die Kanadier Weaver/Poje.

Alle Ergebnisse von Skate Canada sind hier zu finden.

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