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Sommer

Sommer: Die Zeit ohne Wettkämpfe. Die Zeit, in der die Eisbahnen zur Wartung abgetaut werden und die Kunstläufer den wenigen geöffneten Hallen ins Trainingslager hinterherreisen. Die Zeit der ISU-Kongresse (die Regeländerungen der kommenden Saison, vom neuen Basic Level bis zur Choregraphic Sequence, findet man für Paar- und Einzellauf in den ISU Communications 1741 bzw. in 1724 die neuen Scales of Value). Und die Zeit der Spekulationen und Ankündigungen rund um Trainerwechsel, neue Programme und Comebacks.

Ein paar davon:

Daisuke Takahashi wechselt zurück zu seinem ehemaligen Trainer Nikolai Morozov, der allerdings wohl nur als Ratgeber und Assistant Coach ins Team kommt (kein Gerücht mehr). Die Choreographen, mit denen er in den letzten Jahren erfolgreich zusammengearbeitet hat – Kenji Miyamoto und Pasquale Camerlengo -, schneidern in der kommenden Saison Programme für Evgeni Plushenko (ebenfalls kein Gerücht mehr). Plushenko befindet sich derzeit in Mishins Trainingslager im italienischen Pinzolo, siehe hier, und studiert unter anderem eine neue Kür zu Nino Rotas Romeo & Julia ein (lange nicht gehört…). Wann er wohl diesmal in die Saison startet? Er hätte die Möglichkeit, in der Grand Prix-Serie beim Rostelecom Cup zu laufen. Da er dort aber auf Patrick Chan treffen würde, wird er wohl verzichten, denn eine Niederlage auf heimischem Boden gilt es zu vermeiden (ein Gerücht).

Johnny Weir, das Crazy Kid der US-amerikanischen Eislaufszene, wird in der kommenden Saison wieder Wettkämpfe bestreiten, Start ist die Grand Prix Serie. Irgendwie hat er sogar zwei Grand Prix-Teilnahmen ergattern können (vermutlich nicht wegen seiner exorbitanten Chancen auf den Einzug ins Finale; das findet übrigens, gleichsam als Testlauf für die Folgesaison, in Sochi statt). Auch Miki Ando, die Trainer Morozov offensichtlich verlassen hat, kehrt in den Ring zurück. Evan Lysaceks Comeback befindet sich dagegen noch im Gerüchte-Stadium.

Eine ganze Reihe vielversprechender Juniorinnen wird in der nächsten Saison in den Senioren-Grand Prix wechseln: Julia Lipnitskaya, Polina Korobeynikova und Polina Shelepen aus Russland, Zijun Li aus China und Gracie Gold aus den USA. Nicht bei den Senioren am Start sein wird unerklärlicherweise der Chinese Han Yan.

Wer das Sommerloch nicht mehr erträgt, aber kein Eis in greifbarer Nähe hat und auch nicht die Möglichkeit, ins Trainingslager zu flüchten, kann sich die Zeit bis zum Saisonstart ja wie diese Herren vertreiben:

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EM 2012

Keine Frage: Die EM in Sheffield stand eindeutig im Zeichen von Evgeni Plushenko. Spätestens nach dem Kurzprogramm war klar, dass „der Zar“, wie er von den italienischen Medien tituliert wird, auch bei seinem zweiten Comeback wieder im Rennen ist. Ironischerweise schaffte Plushenko es im Kurzprogramm auch ohne Vierfachsprung nahezu an die Spitze des Feldes, dank hoher Punktwerte in den Programmkomponenten – man erinnere sich an die unschönen Diskussionen im Anschluss an die Olympischen Spiele 2010, in der Plushenko eben dies dem Olympiasieger Lysacek zum Vorwurf machte. Plushenko entschuldigte sich denn auch postwendend für das Fehlen des Vierfachen – Grund sei eine Knieverletzung, wegen der er auch die diesjährige WM absagen müsse, da eine OP nötig sei. In der Kür zwei Tage später landete er allerdings einen astreinen Vierfach-Toeloop und holte sich mit einer blitzsauberen Vorstellung einen weiteren EM-Titel in einer ansonsten ausgesprochen durchwachsenen Herren-Konkurrenz.

Von Plushenkos Knieverletzung und WM-Absage mag man halten, was man will; auch die Höhe seiner Komponenten mag manchem etwas großzügig erscheinen (in der Kür erhielt er für Perfomance 9,21, für Interpretation sogar 9,25). Aber ein Blick nach Kanada zeigt, dass auch anderswo nicht gegeizt wird: Patrick Chan durchbrach bei den kanadischen Meisterschaften vor gut einer Woche erstmals die 300-Punkte-Marke (302,14 Punkte) und erhielt in der Kür Komponenten zwischen 9,5 und 10. Zum Vergleich: Plushenko erzielte bei der EM insgesamt 261,23 Punkte.

Fakt ist, dass Plushenko mit einer bemerkenswerten Leistung verdienter neuer Europameister ist. Chapeau.

Die anderen Herren überzeugten nicht gerade mit Glanzleistungen. Gachinski, führender nach dem Kurzprogramm (mit 0,09 Punkten vor Plushenko), holte sich eine gute Silbermedaille (2 4T’s in der Kür, einer davon in Kombi mit 2T und 2Lo). Florent Amodio kämpfte sich mit einer dynamischen, aber leider nicht fehlerfreien Kür auf den Bronze-Rang vor (und ließ in der Kiss & Cry-Corner einen seiner inzwischen schon bekannten Freudenausbrüche folgen), Brezina wurde unglücklicher Vierter (mit bereits mehr als 30 Punkten Rückstand auf Plushenko), Verner Fünfter, Fernandez – derzeit eins der größten europäischen Talente – nach zu vielen Patzern enttäuschender Sechster. Joubert war bereits im Kurzprogramm auf den zehnten Platz abgestürzt und konnte auch in der Kür nicht viel retten, nachdem ihm nach einem guten Start die Fußbefestigung seiner Hose riss und er mit einem schlotternden Hosenbein zu kämpfen hatte. So reichte es nur für Platz 8. Bester deutscher Starter war Peter Liebers (Platz 15), Paul Fentz wurde Siebzehnter.

Auch bei den Paaren ging der Titel nach Russland. Wenig überraschend holten sich nach dem Rückzug von Savchenko/ Szolkowy (Grund ist eine Verletzung von Aliona Savchenko) Volosozhar/ Trankov die Goldmedaille. Silber und Gold gingen ebenfalls nach Russland an Bazarova/ Larionov und Stolbova/ Klimov, auf Platz 4 kam das italienische Paar Berton/ Hortarek. Die deutschen Paare Vartman/ Van Cleave und Hausch/ Wende erzielten Platz 5 und 7.
Hier noch einmal die wunderschöne Kür von Volosozhar/ Trankov:

Im Eistanzen ging der Titel nach Frankreich an Pechalat/ Bourzat, auf Platz 2 und 3 landeten die russischen Teams Bobrova/ Soloviev und Ilinykh/ Katsalapov. Nur bei den Damen fehlte eine russische Starterin auf dem Podium: Carolina Kostner wurde mit zwei überzeugenden Vorstellungen neue Europameisterin, Silber holte mit einer guten Leistung Kiira Korpi, Bronze ging an Elene Gedevanishvili, die sich insgesamt ebenfalls in guter Form präsentierte.

Hier sind alle Ergebnisse der EM zu finden.

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Meisterinnen und Meister 2011/2012

In den USA und Kanada stehen die nationalen Titelkämpfe der aktuellen Saison noch aus, aber in den meisten Ländern haben sie inzwischen stattgefunden. Hier ein Überblick über neue (und manchmal auch alte) nationale Meister:

Deutschland

Damen:
Nicole Schott
Isabel Drescher
Katharina Zientek
(Sarah Hecken war wegen einer Fußverletzung nicht am Start)

Herren:
Peter Liebers
Paul Fentz
Martin Rappe

Paare:
Hausch/Wende
Vartmann/ van Cleave
(Savchenko/Szolkowy waren nicht am Start, sie wollten lieber am dreifachen Wurfaxel trainieren)

Eistanz:
Zhiganshina/Gaszi
Kolbe/Caruso
Hermann/Hermann

Hier die neue Kür von Peter Liebers, allerdings nicht von der DM, sondern von der NRW Trophy, wo er hinter Samuel Contesti auf den zweiten Platz kam:

Frankreich

Damen:
Yrétha Silété
Maé Bérénice Méité
Anaïs Ventard

Herren:
Brian Joubert
Florent Amodio
Chafik Besseghier

Paare:
Popova/ Massot
James/ Ciprès
Letscher/ Patlasov

Eistanz:
Péchalat/ Bourzat
Carron/ Jones
Zahorski/ Miart

Tschechien

Herren:
Tomáš Verner
Michal Březina
Pavel Kaška

Russland

Damen:
Adelina Sotnikova
Julia Lipnitskaia
Alena Leonova

Herren:
Evgeni Plushenko
Artur Gachinski
Sergei Voronov

Paare:
Bazarova/ Larionov
Stolbova/ Klimov
Martiusheva/ Rogonov
(Volosozhar/ Trankov und Kavaguti/ Smirnov waren nicht am Start wegen Verletzungen von Trankov und Smirnov)

Eistanz:
Bobrova/ Soloviev
Ilinykh/ Katsalapov
Riazanova/Tkachenko

Evgeni Plushenko meldet sich in erstaunlicher Form zurück, hier das Kurzprogramm von der Russischen Meisterschaft:

Japan

Damen:
Mao Asada
Akiko Suzuki
Kanako Murakami

Herren:
Daisuke Takahashi
Takahiko Kozuka
Yuzuru Hanyu

Paare:
Takahashi/ Tran

Eistanz:
Oi/ Mizutani

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WM 2011 Herren

So lange hat man auf die WM gewartet, und so schnell ist sie vorbei…
Ich hoffe, Ihr habt alle die eine oder andere Möglichkeit gefunden, den Wettkampf zu sehen. Insbesondere der Herrenwettkampf war in der deutschen Fernsehübertragung ja nur mager vertreten.

Ein kurzer Rückblick, ein paar Gedanken:

Japan – Ach, die armen Japaner. Na gut, wenigstens gab es am Ende doch noch eine Medaille, nachdem Takahiko Kozuka eine fabelhafte Kür zeigte und sogar mehr Punkte in der Technik erhielt als Patrick Chan. Sein Silbermedaillengewinn hat mich sehr gefreut, da ich seinen Laufstil unheimlich gerne mag und finde, dass er in den letzten Jahren in den Programmkomponenten nicht immer gerecht bewertet wurde. Ich hoffe, der Erfolg bei dieser WM gibt ihm noch einmal einen Kick in puncto selbstbewusstes Präsentieren.

Weniger glücklich traf es seine Teamkollegen. Nobunari Oda hat anscheinend immer noch Probleme, die Umdrehungen im Sprung zu zählen – er zeigte in seiner Kür dreimal den Dreifach-Toeloop, was das Reglement nicht erlaubt. Dadurch fiel eine ganze Kombination, 3A-3T, aus dem Programm, Basiswert 12,6 Punkte. Nach seinem gelungenen Kurzprogramm lag er auf Platz 2, nach seiner ebenfalls gelungenen Kür (wenngleich ohne 4T, den geplanten Vierfachen sprang er dreifach, daher der überzählige 3T) landete er insgesamt nur auf Platz 6. Es war nicht das erste Mal, dass ihm dieser Fehler im Wettkampf passierte – 2005/2006 verrechnete er sich bei den japanischen Meisterschaften, ebenso bei den Olympischen Spielen und der WM 2006 und letzten Herbst bei Skate America.

Und Daisuke Takahashi? In den Weltmeister des Vorjahrs hatten die Japaner wohl die größten Medaillenhoffnungen gesetzt, schließlich ist er der ausdrucksstärkste Läufer im Team. Nach dem fehlerfreien Kurzprogramm (jedes Mal staune ich erneut über die wunderschöne Schrittpassage, eine der besten im Feld der Herren dieses Jahr) lag er auf Platz 3, doch in der Kür löste sich beim Absprung zum Vierfach-Toeloop eine Schraube seiner Schiene. Er musste das Programm unterbrechen, die Kufe wurde in aller Eile wieder festgeschraubt, doch der Vierfach-Toeloop war natürlich dahin… Hervorragend, wie Takahashi dennoch seine Kür weitergelaufen ist, als wäre nichts gewesen, und einen wundervollen Tango aufs Eis zauberte, von ein paar kleinen technischen Schönheitsfehlern einmal abgesehen. Am Ende reichte es aber nur für Platz 5.

Patrick Chan – Das Wortspiel chan-tastic kursiert schon seit längerem in der Fangemeinde des Kanadiers. Zurecht, das muss man nach Chans Leistung bei dieser WM wohl festhalten. Technisch und läuferisch war er dem Herrenfeld überlegen und brachte zwei beeindruckend makellose Programme mit drei blitzsauberen 4Toeloops aufs Eis. Ob Chans Abstand zum übrigen Feld der Läufer tatsächlich so gewaltig ist, wie sein Punktvorsprung von über 22 Punkten suggeriert, sei dahingestellt. Ich war von seiner Leistung begeistert – auch wenn sie nach Chans bisherigem Saisonverlauf zu erwarten war, musste sie ja trotzdem erstmal aufs Eis gebracht werden.

Die Franzosen – Ach, es war nicht die Saison von Brian Joubert. Der Franzose scheint immer noch damit beschäftigt, sich selbst auf dem Eis neu zu finden, aber ich denke, mit seiner Kür bei der WM ist er der Sache ein großes Stück näher gekommen, auch wenn er das erste Mal seit Jahren ohne WM-Medaille nach Hause fahren musste. Ein neues, ausgesprochen vorteilhaftes Kostüm, ein fast eleganter Laufstil – auf einmal schien da ein gereifter Brian Joubert übers Eis zu gleiten. Wie schon bei der EM kämpfte er sich in der Kür wacker nach vorne, aber in Moskau reichte es in diesem Jahr nur für Platz 8.

Wie bei der EM lag er damit einen Platz hinter Florent Amodio. Der amtierende Europameister lief mit bemerkenswert viel Energie und Selbstbewusstsein durch seine Programme. Ich bezweifele allerdings, dass es ihm viel gebracht hat, seine Michael-Jackson-Kür in Moskau gegen die Wettkampfregeln mit Gesangspassagen zu spicken, zumindest hat das Programm dadurch in meinen Augen nichts gewonnen. Naja, kein Punktabzug, Pubertät ausgelebt.

Artur Gachinski – Endlich wieder Licht im Feld der russischen Herren! Artur Gachinski, seit Jahren ein Fan von Plushenko, macht sich mit dem Gewinn der Bronzemedaille jetzt daran, selbst ein Star in Russland zu werden. Im Kurzprogramm wirkte er auf mich noch sehr wie der Schatten von Plushenko. Sehr gut hat mir dagegen die Kür gefallen, da Gachinski hier einen anderen, eigenen Stil läuft: russischen Slapstick, erstaunlich gut präsentiert.

Die Tschechen, Tomas Verner und Michal Brezina, haben in den letzten Monaten nicht gerade durch konstante Leistungen überzeugt. Beide sind große Eislauftalente, doch der landesinterne Konkurrenzkampf scheint sie nicht unbedingt zu beflügeln. Brezina hatte nach einer Operation am Anfang der Saison Mühe, zu seiner Form zurückzufinden. Er konnte sich in der Kür auf den vierten Platz vorarbeiten, Verner stürzte in der Kür auf Rang 12 ab.

Javier Fernandez: Glückliches Spanien! Als Javier Fernandez in seiner ohnehin schon famosen Karibik-Piraten-Kür (der trunkene Kreisschritt hat ihm vermutlich internationale Bekanntheit gesichert) nach dem 4-Toeloop einen noch bombastischeren Vierfach-Salchow nachlegte, blieb mir der Mund offen stehen. Hut ab!

Hier noch mal zum Nach-Sehen, in der italienischen Fassung von RAI, bei youtube hochgeladen von RiservaISUMosca2011, wo dankenswerter Weise der gesamte Herrenwettkampf angeschaut werden konnte:

USA: Im US-amerikanischen Team fehlten in diesem Jahr zwei bekannte Gesichter: Jeremy Abbott und Adam Rippon konnten sich bei den US Nationals nicht für die WM qualifizieren. Statt ihrer reisten Richard Dornbush, Ross Miner und Ryan Bradley nach Moskau. Richard Dornbush landete auf Platz 9, Miner, der mit seiner schön interpretierten Casablanca-Kür nicht ganz so erfolgreich war wie anno dazumal der legendäre Kurt Browning, auf Platz 11 und Bradley, der US-Meister 2011, auf Platz 13.

Peter Liebers kam mit zwei schönen und weitgehend fehlerfreien Programmen auf Platz 16. Das gibt hoffentlich Rückenwind für die nächste Saison.

Evgeni Plushenko saß zwar nur auf der Zuschauertribüne, das russische Fernsehen brachte ihn aber trotzdem oft ins Bild. Seine Miene war fast so versteinert wie die von Alexei Mishin. Was ihm wohl durch den Kopf ging, als er Chans Kür zuschaute? Tatiana Tarasova jedenfalls, die ebenfalls zur russischen Eislaufprominenz in der Halle zählte, spendete mit weitaus lebhafterer Mimik Standing Ovations. Plushenko macht derweil wieder einmal von sich reden – er strebt die Wiederherstellung seines Amateurstatus‘ an und spekuliert schon einmal über einen Start in Sochi 2014. Dann wäre er 31 Jahre alt.

Das Wertungssystem: Eine Notiz am Rande: Schaut man in die Judges Sheets der diesjährigen WM, fällt auf, das die Preisrichter ausgesprochen hohe GOEs verteilt haben (Plus- bzw. Minuspunkte auf die ausgeführten Elemente). Die erstplatzierten Läufer erhielten des öfteren eine +3 in den GOEs – so kann man natürlich auch Rekorde schaffen.

Hier gibt es alle Ergebnisse.

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Japan Open 2010

Die Japan Open sind der einzige ISU-Wettbewerb, der sowohl für „Amateure“ (die an ISU-Wettkämpfen wie Europa- und Weltmeisterschaften teilnehmenden Läufer) wie „Professionelle“ (die „Ehemaligen“, die noch in Eis-Shows zu sehen sind) offen ist. Aus Japan, Europa und Nordamerika werden jeweils zwei Damen und zwei Herren eingeladen, die drei Teams treten mit ihren Küren gegeneinander an.

Die diesjährigen Starter waren: Michal Brezina, Evgeni Plushenko (die Diskussion um Plushenkos Amateur-Status ist bei Aaron von Axels, loops and spins nachzulesen), Sarah Meier und Julia Sebestyen (Laura Lepistö hatte kurzfristig abgesagt) für Team Europe; Daisuke Takahashi, Takahiko Kozuka, Mao Asada und Miki Ando für Team Japan; Jeffrey Buttle, Adam Rippon, Joannie Rochette und Cynthia Phaneuf für Team Nordamerika.

Die Saison steckt noch in den Kinderschuhen, entsprechend frisch sind manche der neuen Programme. Auch um die sportliche Form stand es nicht bei jedem Starter schon zum Besten. Michal Brezina, der letzte Saison so auftrumpfen konnte, hat in dieser Saison keinen guten Start erwischt. Wie die Nebelhorn-Trophy liefen auch die Japan Open nicht gerade erfreulich, mit 134,90 Punkten kam er in der Herren-Einzelwertung nur auf Platz 5. Er zeigte, wie am pinken Pullunder unschwer zu erkennen war, seine rearrangierte Kür der letzten Saison, Gershwins Amerikaner in Paris.

Auf noch schlechterem Fuß glitt Mao Asada in die Saison – sie verpatzte nahezu jeden Sprung ihrer neuen Kür zu Liszts Liebestraum. Schon vor ihrem Vortrag schien sie nervös, und das Programm wirkte dementsprechend irgendwie wie eine leere Hülle. Aber Asadas Trainerwechsel zu Nobuo Sato liegt erst wenige Wochen zurück, und es bleibt noch Zeit genug, die Sprünge wiederzufinden. Mit anderem Ausdruck ist das Programm sicher sehr hübsch, wenngleich es für meinen Geschmack sehr angepasst wirkt und die übliche Damen-Klassik/Romantik-Schiene bedient. Aber das war bei der Musikwahl wohl nicht anders zu erwarten. Asada wurde mit 92,44 Punkten Fünfte der Damen-Wertung.

Joannie Rochette zeigte mit ihrer Vorjahreskür das stärkste Programm im Feld der Damen (122,71 Punkte). Zweite in der Damenwertung wurde Miki Ando (115,02 Punkte; Klavierkonzert Nr. 2 von Grieg), ihre Teamkollegin Cynthia Phaneuf mit einigem Abstand (99,50 Punkte) Dritte.

Im Feld der Herren konnte Adam Rippon die höchste Wertung erzielen (166,63 Punkte). Leider habe ich noch kein Video seiner Kür gefunden (Klavierkonzert Nr. 2 von Rachmaninoff). Noch ein Klavierkonzert (es wird wohl die Saison der Klavierkonzerte…) gab es bei der Kür von Takahiko Kozuka, die Nr. 1 von Liszt. Der Versuch des Vierfachen ging fehl, mit 150,71 Punkten wurde Kozuka Vierter im Herrenfeld. Auch hiervon habe ich noch kein Video entdeckt, bin sehr gespannt aufs Programm…*update: jetzt findet man die Kür bei Youtube, ein sehr schönes, ganz ehrliches Programm; Kozuka fehlt, verglichen mit Japans derzeitiger Nr. 1 Takahashi, noch ein ganz klein wenig Präsenz auf dem Eis, aber von der Technik her läuft er bereits jetzt mit Takahashi in einer Liga.*

Nachdem ich bei Daisuke Takahashis neuem Mambo-Kurzprogramm breit grinsen musste – bei den „Uh’s“ in der Musik bleibt einem nichts anderes übrig, nicht mal Takahashi selbst – und meine Augen bei der Schrittfolge immer größer wurden, fand ich seine neue Kür zu Astor Piazollas Invierno Porteño nicht ganz so mitreißend. Vielleicht liegt es daran, dass man die Tango-Kür automatisch mit dem „Eye“-Kurzprogramm aus dem Vorjahr vergleicht. Takahashi wirkte sehr konzentriert, das Programm sehr ernst und ein wenig unzugänglich. Aber im Laufe der Saison wird sich sicherlich noch einiges daran tun. Der Vierfach-Toeloop war jedenfalls blitzsauber. Ungewöhnlich die eingesprungene Himmelspirouette, die Takahashi auch im SP zeigt. 159,19 Punkte gab es für die Kür, die zweitbeste Herrenwertung des Tages. Dritter bei den Herren wurde Plushenko mit seiner Edvin Marton/Nijinsky-Kür (151 Punkte).

Insgesamt ging der Sieg an Team Japan (was nicht allzu sehr überrascht…).

Hier, von Youtube-Nutzer daidai0316t, der Vortrag von Takahashi:

Und das neue Programm von Mao Asada, das sie nächstes Mal hoffentlich mit weniger Fehlern laufen kann, via reina8141:

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Plushenko verliert Startberechtigung

In Vancouver war Plushenko noch in Hochform. Ist seine Wettkampf-Karriere nun doch vorbei?

Diese Nachricht hat mich ziemlich überrascht: Weil Evgeni Plushenko im März und April dieses Jahres an Schaulaufen teilgenommen hat, ohne die erforderliche Genehmigung von seinem Landesverband einzuholen, hat die ISU ihm auf ihrem Juni-Kongress in Barcelona die Startberechtigung für ISU-Wettkämpfe entzogen.

Der Ausschluss des mehrfachen Weltmeisters und Olympia-Siegers von Turin von künftigen ISU-Wettkämpfen erscheint ziemlich hart. Doch laut ISU-Reglement sind die Läufer verpflichtet, für Schaulauf-Events eine Verbandsgenehmigung einzuholen – unter anderem, damit die Läufer nicht Wettkämpfe absagen, um stattdessen an lukrativen Schaulaufen teilzunehmen. Plushenkos Verhalten bedeutet also einen klaren Regelbruch. Hat er den entsprechenden Paragraphen in der Regel einfach kurzfristig vergessen? Oder die Sperre bewusst provoziert, weil er ohnehin nicht länger bei Wettkämpfen starten wollte und so recht elegant die bereits angekündigte Karriereverlängerung bis Sochi umgehen konnte? Böse Zungen behaupten gar, der Russe sei davon ausgegangen, Läufer seines Kalibers müssten sich nicht so streng an die Spielregeln halten.

Die Spekulationen um die Hintergründe der Startsperre reichen umso weiter, da das Verhältnis zwischen Plushenko und der ISU seit Monaten nicht gerade herzlich ist. Nach dem Streit um ein ISU-Lehrvideo, bei dem Plushenkos Kürprogramm von 2006 als negatives Beispiel für läuferische Verbindungselemente herangezogen worden war, folgte die Auseinandersetzung um die Gewichtung zwischen Transitions, läuferischer und künstlerischer Darbietung auf der einen und sportlichen Elementen, insbesondere den Vierfachsprüngen, auf der anderen Seite. Und als Plushenko trotz gelungener 4fach-3fach-Kombi in Vancouver nur auf den zweiten Platz kam und Evan Lysacek ohne Vierfachsprung den Titel gewann, zeigte Plushenko sich als nicht besonders sportlicher Verlierer und kritisierte die Entscheidung mit Nachdruck.

Kurz vor den betreffenden Schaulaufterminen fand in Turin die Weltmeisterschaft statt, bei der Plushenko eigentlich hatte teilnehmen wollen – dann aber verletzungsbedingt zurückzog. Eine Woche später, zum Schaulaufen, war er allerdings schon wieder fit. Das hat die ISU sicherlich nicht besonders entzückt.

Plushenko hat jetzt noch etwa zwei Wochen Zeit, um beim Sportgericht in Lausanne Protest einzulegen. Ich bin gespannt, wie er sich entscheidet. Und ich fände es schade, wenn ein so bemerkenswerter Läufer auf diese Weise aus dem Wettkampfgeschehen ausscheidet. Was meint ihr?

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Verlieren ist auch eine Kunst

Und da ist sie, die Diskussion nach der Olympia-Entscheidung im Herren-Eiskunstlauf: Ist der richtige Sieger gekürt worden? Darf man ohne Vierfachen Olympiasieger werden? Geht die Entwicklung des Eiskunstlaufens in die falsche Richtung, muss gar das Wertungssystem (wieder einmal) verändert werden? Ein guter Verlierer zu sein, ist auch eine Kunst, und in dieser Disziplin hätte Plushenko jedenfalls keine Medaille verdient.

Sobald Evan Lysacek als Olympiasieger feststand, war klar, dass eine Diskussion folgen würde. Daran ist nichts auszusetzen. Aber die Art, in der die Diskussion nun geführt wird, erscheint mir doch reichlich unsportlich. Schon bei der Siegerehrung gebärdete Plushenko sich als schlechter Verlierer, indem er auf dem Podium den Nr.1-Daumen zeigte und deutlich demonstrierte, wen er für den eigentlichen Sieger hielt. Kaum war die Siegerehrung vorbei, begann Plushenko, kräftig die Medientrommel zu rühren. Um eines klarzustellen: Ich bin kein spezieller Lysacek-Fan, meine Lieblingsküren haben Daisuke Takahashi und Stéphane Lambiel gelaufen. Aber was mich nervt, ist der machistische und homophobe Ton, der die Debatte von Seiten der Russen durchzieht. „Wahre Männer springen vierfach“, findet Plushenko, alles andere sei Dameneiskunstlaufen.

Die ARD lud den Silbermedaillengewinner prompt zum Interview ins Studio (hier zu sehen), Kati Witt erklärte sich zum Plushenko-Fan, dann wurde sogar noch Elvis Stojko aufgeboten, mehrfacher kanadischer Weltmeister, der ebenfalls die Medaillenvergabe kritisierte und die Sprünge, insbesondere die Vierfachen, zum Kernelement des (Herren)Eiskunstlaufens erklärte. Durch den Vierfachen würden sich „men from boys“ unterscheiden. Stojkos Einstellung dürfte nicht überraschen, schließlich waren seine Stärke seinerzeit, wen wundert’s, die Sprünge und sein Nickname „Elvis, the king of jumps“. Er war der erste Mann, der einen Vierfachsprung in Kombination im Wettkampf stand.

Auch die Arroganz geht mir gegen den Strich, mit der Plushenko den Titel für sich behauptet. Er kennt das Neue Wertungssystem nicht erst seit gestern und ist schon früher nach diesem Reglement gestartet. Statt an läuferischen Passagen, Schritten, Pirouetten zu üben, zog er es vor, sich auf die Vierfachen zu konzentrieren. Das kann er herzlich gerne tun, nur darf er sich hinterher nicht beschweren, wenn die zum Sieg nicht ausreichen und verlangen, für die Vierfachen müsste es mehr Punkte geben. Wieviel ein Vierfach-Toeloop wert ist, wusste er schließlich auch nicht erst seit gestern. Schließlich könnte ja jeder Läufer kommen und fordern, das Wertungssystem solle die Elemente stärker gewichten, in denen seine persönlichen Stärken liegen.

Evan Lysacek reagierte auf die Attacken zum Glück ruhig und äußerst sportlich. Und sein Trainer Frank Carroll hat meiner Meinung nach die Tatsachen auf den Punkt gebracht: „It’s not figure jumping, it’s figure skating“. Wer über das Ganze einmal lachen will, schaue sich diese Karrikatur an. Für Elvis Stojko, schon seit längerem Kritiker des Neuen Wertungssystems, war die Herren-Entscheidung „The night they killed figure skating“. Er will künftig kein Eiskunstlaufen mehr anschauen, sondern Ice Hockey, “ a real sport“. Ein echter Sport für echte Männer, nicht wahr?

Folgt man übrigens der Logik eines Plushenko und Stojko, steht die Siegerin im Dameneiskunstlaufen schon fest: Keine andere als Mao Asada dürfte den Titel bekommen, denn sie zeigt als einzige Frau den Dreifachaxel, in der Kür gleich zweimal. Erstaunlich, dass es hier gar keine Diskussionen gibt… Am Ende sind gar nicht die Vierfachen das Problem, sondern die echten Männer…

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