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EM 2011: Kalt, aber herzlich

Strahlende Siegerin, photo courtesy JOE KLAMAR/AFP/Getty Images, via daylife.com

Die diesjährige EM werde ich lange in Erinnerung behalten. Nicht nur, weil es unglaublich kalt war in der PostFinance Arena in Bern, so dass der größere Teil des Publikums unter Bergen von Decken und Mützen verschwand und man manchen Sportler das Einlaufen in dicker Daunenjacke bestreiten sah. Auch, weil es so viele bewegende Momente gab: Die Abschiedsvorstellung von Sarah Meier, die mit einer der wenigen sauberen Kürleistungen im Damenwettkampf ihren ersten Europameistertitel holte und zu Tränen gerührt war, während die Halle standing ovations spendete. Oder Florent Amodio, den neuen Europameister aus Frankreich, der sich über seinen Sieg freute wie ein Kind, erst seinem Trainer und dann Teamkollegen Brian Joubert auf die Arme hüpfte und nicht einmal bei der Siegerehrung still stehen konnte. Eindrucksvoll war auch, wie Aljona Savchenko in der Kür aus der Pirouette herauskippte, sekundenlang ratlos lächelnd neben Robin Szolkowy stand und am Ende doch noch, fast etwas unerwartet, mit ihrem Partner die Goldmedaille erhielt. Oder Faiella/Scalis Flamenco-Kür, die Federica Faiella am Ende die Tränen in die Augen trieb, soviel geballte Emotion steckte darin.

Für die Sportler war es vermutlich keine leichte Übung, in der klirrenden Kälte Höchstleistungen abzuliefern. Das Feld der am dünnsten bekleideten Damen zeigte denn auch etliche Schwächen, vor allem in der Kür, wo fast alle Teilnehmerinnen patzten. Sarah Meier gewann mit einem soliden, technisch fast ganz sauberen Programm vor Carolina Kostner, die ihre Elemente ebenfalls recht sicher aufs Eis brachte. Dritte wurde Kiira Korpi, die ihren ersten Platz aus dem Kurzprogramm durch zu viele Fehler in der Kür einbüßte. Sarah Hecken, Hoffnungsträgerin der DEU, kam ebenfalls nur mit etlichen Fehlern durch ihre Kür und verpasste knapp Platz 10, der den deutschen Damen den zweiten Startplatz für die nächste Saison gesichert hätte.

Noch mehr strahlende Sportler, photo courtesy JOE KLAMAR/AFP/Getty Images, via daylife.com

Auch bei den Herren lief nicht alles rund. Es gab etliche schöne Kurzprogramme, zum Beispiel Michal Brezinas japanisches Trommel-Programm; das Energiebündel Florent Amodio mit „Once upon a time in Mexico“; einen unglaublich sprunggewaltigen Kevin van der Perren. Tomas Verner kam leider nicht ganz sauber durch sein „Singin in the rain“-Programm, eins der schönsten Herren-Kurzprogramme dieser Saison. Auch Brian Joubert zeigte Nerven und lag nach dem Kurzprogramm mit fast acht Punkten Rückstand auf Platz sieben. In der Kür startete er mit einem nahezu fehlerfreien Programm aber eine grandiose Aufholjagd und holte sich schließlich noch die Silbermedaille hinter Florent Amodio. Der lieferte von den drei Michael Jackson-Interpreten des Herren-Wettkampfs (Amodio, Berntsson, Verner) mit Abstand die beste Show ab – und das nicht nur während der Kür. Brezina stürzte nach einer ziemlich vermasselten Kürvorstellung auf Platz 8 ab, dafür holte sein Landsmann Tomas Verner mit einer soliden Kür die Bronzemedaille, hauchdünn vor Kevin van der Perren, der sich auch in der Kür in einer ungeheur guten Form zeigte. Peter Liebers absolvierte ein sehr gutes Kurzprogramm und eine gute Kür, insgesamt kam er auf Platz 11. Auch Denis Wiezorek, der zweite deutsche Herr im Feld, der sich seinen Startplatz in der Qualifikation gesichert hatte, zeigte eine gute technische Leistung (20. Platz). Im nächsten Jahr gibt es damit wieder zwei Herren-Startplätze für die DEU.

Pink Panther at it's best, photo courtesy YURI KADOBNOV/AFP/Getty Images

Im Paarlaufen lieferten sich die alten Konkurrenten Savchenko/Szolkowy und Kavaguti/Smirnov ein spannendes Duell um den Titel, das die Deutschen trotz des Fehlers bei der Pirouette für sich entscheiden konnten. Das Kurzprogramm und die Kür der beiden sind echte Hingucker, und im Showprogramm zeigten sie sich sogar mal ganz lässig von der scherzhaften Seite. Spannend in der Paarlaufkonkurrenz war außerdem der russische Nachwuchs. Man merkt, der russische Verband beginnt schon einmal mit den Vorbereitungen für Sochi.

Charlie Chaplin alias Fabian Bourzat mit Nathalie Pechalat, JOE KLAMAR/AFP/Getty Images, via daylife.com

Im Eistanzen ging der Titel ebenfalls nach Frankreich: Pechalat/Bourzat gewannen mit einer hübschen Chaplin-Kür vor Bobrova/Soloviev aus Russland und den Kerrs aus Großbritannien. Die deutschen Eistänzer Zhiganshina/Gaszi kamen auf einen tollen siebten Platz – ein äußerst erfolgreicher EM-Auftakt für die beiden.

Hier gibt es alle Ergebnisse vom Wettkampf. Und hier ein bisschen was zum Gucken, Sarah Meiers Abschied und Florent Amodios Karrierestart:

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A Valentine’s Day present

Die tapferen Kunstlauffans, die die Nacht vor dem Fernseher verbracht haben (ich muss gestehen, ich war nicht darunter), konnten ein spannendes und hochkarätiges Kurzprogramm miterleben. Die Top-Paare zeigten allesamt tolle Programme und liegen dementsprechend punktdicht beieinander – die Entscheidung über die Medaillen wird also erst in der Kür fallen.

Shen/Zhao, die führenden nach dem Kurzprogramm, (c) David Carmichael

In Führung sind nach dem Kurzprogramm die chinesischen Favoriten Xue Shen und Hongbo Zhao (76,66 Punkte). „It was a nice Valentine’s Day present“, sagte Hongo Zhao dazu – bei den beiden stehen offensichtlich alle Zeichen auf Harmonie… Die zeigten sie jedenfalls im Programm zu „Who wants to live forever“ in ziemlich perfekter Weise. Mit sehr knappem Rückstand folgen Aljona Savchenko und Robin Szolkowy (75,96 Punkte), die zu „Send in the Clowns“ ebenfalls ein fehlerfrei dahinfließendes und sehr emotionales Programm zeigten. Dicht dahinter liegen die russischen Europameister Kavaguti/Smirnov (74,16 Punkte) mit ihrem Saint-Saens-Ballettprogramm. Etwas größer wird der Punktabstand zu den Plätzen vier und fünf, auf denen der Rest des starken chinesischen Teams folgt: Pang/Tong (71,50 Punkte) und Zhang/Zhang (71,28 Punkte), und erst zu den sechstplatzierten Kanadiern Dube/Davison ist der Rückstand deutlich; Jessica Dube stürzte beim Einzelsprung (65,36 Punkte).

Hier der Stand nach dem Kurzprogramm. Auf der Vancouver-Website können die detaillierten Technik- und Programmscores übrigens sofort eingesehen werden, und nicht erst nach dem Ende des Gesamtwettkampfes.

Heute Nacht folgt bereits die Kürentscheidung. Es wird also ganz, ganz spannend!

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EM: Kür Paare

Knapp daneben, aber trotzdem schön: Aljona Savchenko und Robin Szolkowy holten gestern Abend in Tallin „nur“ die Silbermedaille. Mit insgesamt 211,72 Punkten unterlagen sie knapp dem russischen Paar Kavaguti/Smirnov, die 213,15 Punkte erhielten. Wackelig, wie auf den Seiten von sportschau.de zu lesen ist, war die Vorstellung der Deutschen keineswegs. Savchenko sprang statt eines Dreifach-Salchows nur den doppelten und überdrehte den Wurfflip. Doch ansonsten lieferten sie eine wunderschöne Darbietung zu „Jenseits von Afrika“. Auch Kavaguti machte einen kleinen Fehler in der Landung des Solosprungs. Ansonsten zeigten die Russen ein fehlerfreies, technisch sehr anspruchsvolles Programm mit artistischen Effekten. Der harte Bruch zwischen Tschaikovsky- und Strauss-Walzer in ihrem Kür-Programm und die beinahe karnevaleske Interpretation des Strauss-Walzers ist Geschmackssache.

Die Bronzemedaille sicherte sich das zweite russische Paar Mukhortova/Trankov mit 202,03 Punkten. Sie liefen zur Love Story – die Musik ist sicher nicht ganz ohne Hintergedanken gewählt, denn mit ihr wurden 2002 die Kanadier Salé/Pelletier Olympiasieger. Das zweite von Ingo Steuer trainierte Paar, die Ukrainer Volosozhar/Morozov, musste sich wieder einmal mit dem undankbaren vierten Platz begnügen.

Hier die Kür der Deutschen, von catfull3’s youtube-Kanal:

Und die russischen Sieger:

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Grand Prix Finale: Kurzprogramm Paare

Als erste mussten die Chinesen Zhang/Zhang aufs Eis. Musik: Stücke aus dem Musical Fosse. Sie liefen etwas lockerer als bei Skate America, aber das richtige swing feeling kommt für mich in dem Programm noch nicht rüber, viel Konzentration scheint in die einzelnen Elemente zu gehen.

Dafür gab es 66,24 Punkte.

Als nächstes starteten die Russen Kavaguti/Smirnov. Musik: Camille Saint-Saens Schwan; einige Fehler im Programm.

62,30 Punkte.

Aliona Savchenko/Robin Szolkowy: „Send in the Clowns“. Winziger Wackler beim Einzelsprung. Tolles, souveränes Programm.

73,14 Punkte.

Mukhortova/Trankov: „Appassionata von Secret Garden“. Stimmige Romanze in Rosa.

69,78 Punkte.

Pang/Tong: Bizets „Perlenfischer“. Stimmige Romanze in Blau.

68,04 Punkte.

Shen/Zhao: „Who wants to live forever“. Mal wieder Spitze, obwohl ich ihren Ausdruck beim Cup of China überzeugender fand. Lag vielleicht am heimischen Publikum.

75,36 Punkte.

Hier das Ergebnis mit Programmkomponenten.

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