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Sommer

Sommer: Die Zeit ohne Wettkämpfe. Die Zeit, in der die Eisbahnen zur Wartung abgetaut werden und die Kunstläufer den wenigen geöffneten Hallen ins Trainingslager hinterherreisen. Die Zeit der ISU-Kongresse (die Regeländerungen der kommenden Saison, vom neuen Basic Level bis zur Choregraphic Sequence, findet man für Paar- und Einzellauf in den ISU Communications 1741 bzw. in 1724 die neuen Scales of Value). Und die Zeit der Spekulationen und Ankündigungen rund um Trainerwechsel, neue Programme und Comebacks.

Ein paar davon:

Daisuke Takahashi wechselt zurück zu seinem ehemaligen Trainer Nikolai Morozov, der allerdings wohl nur als Ratgeber und Assistant Coach ins Team kommt (kein Gerücht mehr). Die Choreographen, mit denen er in den letzten Jahren erfolgreich zusammengearbeitet hat – Kenji Miyamoto und Pasquale Camerlengo -, schneidern in der kommenden Saison Programme für Evgeni Plushenko (ebenfalls kein Gerücht mehr). Plushenko befindet sich derzeit in Mishins Trainingslager im italienischen Pinzolo, siehe hier, und studiert unter anderem eine neue Kür zu Nino Rotas Romeo & Julia ein (lange nicht gehört…). Wann er wohl diesmal in die Saison startet? Er hätte die Möglichkeit, in der Grand Prix-Serie beim Rostelecom Cup zu laufen. Da er dort aber auf Patrick Chan treffen würde, wird er wohl verzichten, denn eine Niederlage auf heimischem Boden gilt es zu vermeiden (ein Gerücht).

Johnny Weir, das Crazy Kid der US-amerikanischen Eislaufszene, wird in der kommenden Saison wieder Wettkämpfe bestreiten, Start ist die Grand Prix Serie. Irgendwie hat er sogar zwei Grand Prix-Teilnahmen ergattern können (vermutlich nicht wegen seiner exorbitanten Chancen auf den Einzug ins Finale; das findet übrigens, gleichsam als Testlauf für die Folgesaison, in Sochi statt). Auch Miki Ando, die Trainer Morozov offensichtlich verlassen hat, kehrt in den Ring zurück. Evan Lysaceks Comeback befindet sich dagegen noch im Gerüchte-Stadium.

Eine ganze Reihe vielversprechender Juniorinnen wird in der nächsten Saison in den Senioren-Grand Prix wechseln: Julia Lipnitskaya, Polina Korobeynikova und Polina Shelepen aus Russland, Zijun Li aus China und Gracie Gold aus den USA. Nicht bei den Senioren am Start sein wird unerklärlicherweise der Chinese Han Yan.

Wer das Sommerloch nicht mehr erträgt, aber kein Eis in greifbarer Nähe hat und auch nicht die Möglichkeit, ins Trainingslager zu flüchten, kann sich die Zeit bis zum Saisonstart ja wie diese Herren vertreiben:

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Update

Nach einer langen Weihnachtspause und frostiger Winterstarre geht es endlich weiter auf dem Eis – die Saisonhöhepunkte stehen vor der Tür: in der kommenden Woche beginnt die EM in Bern, Mitte Februar folgt das außereuropäische Äquivalent, die Four Continents in Taipeh, und am 21. März beginnt die WM in Tokyo. Kaum ein anderer Ort wäre in diesem Jahr als Austragungsstätte geeigneter, denn was die japanischen Einzelläufer zeigen, ist enorm.

Vielleicht hat ja der eine oder die andere von Euch in der Weihnachtswoche einen Blick auf die Japanischen Meisterschaften geworfen. Die Fans von Mao Asada können jedenfalls aufatmen, denn Asada scheint endlich wieder zu ihren Sprüngen zurückgefunden zu haben und musste sich nur einer noch sprungewaltigeren Miki Ando geschlagen geben, deren Kür das Publikum von den Sitzen gerissen hat. Der amtierende Weltmeister Takahashi blieb gleich hinter zwei Teamkollegen zurück, neuer japanischer Meister ist Takahiko Kozuka, der nach seinem Kurzprogramm ehrlich verblüfft war, dass er nicht nur für alle Pirouetten, sondern auch für die Schrittpassage Level 4 erhielt. Sympathisch bescheiden. Ich hoffe, die Erfolge dieser Saison geben ihm das nötige Selbstvertrauen für den ganz großen Durchbruch.

Wen’s interessiert, hier sind die Ergebnisse, und hier ein paar Höhepunkte:

Murakamis erfrischend schwungvolles Kurzprogramm:

Kozukas Soul Man, und sein ungläubiger Blick im anschließenden Interview, als die Moderatorin ihm vom Level 4 für den Schritt erzählt:

Die Kür von Asada, die ganz anders wirkt, wenn die Sprünge funktionieren:

Miki Andos blitzsaubere Kür:

Und die Kür von Takahashi, ein echtes Tango-Kunstwerk – obwohl ich immer etwas gegen diesen spitzen Kragen am Kostüm angucke:

Vor der EM wird es in den USA noch einmal spannend, denn vom 22.-30. Januar finden dort die nationalen Meisterschaften statt.

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Japan Open 2010

Die Japan Open sind der einzige ISU-Wettbewerb, der sowohl für „Amateure“ (die an ISU-Wettkämpfen wie Europa- und Weltmeisterschaften teilnehmenden Läufer) wie „Professionelle“ (die „Ehemaligen“, die noch in Eis-Shows zu sehen sind) offen ist. Aus Japan, Europa und Nordamerika werden jeweils zwei Damen und zwei Herren eingeladen, die drei Teams treten mit ihren Küren gegeneinander an.

Die diesjährigen Starter waren: Michal Brezina, Evgeni Plushenko (die Diskussion um Plushenkos Amateur-Status ist bei Aaron von Axels, loops and spins nachzulesen), Sarah Meier und Julia Sebestyen (Laura Lepistö hatte kurzfristig abgesagt) für Team Europe; Daisuke Takahashi, Takahiko Kozuka, Mao Asada und Miki Ando für Team Japan; Jeffrey Buttle, Adam Rippon, Joannie Rochette und Cynthia Phaneuf für Team Nordamerika.

Die Saison steckt noch in den Kinderschuhen, entsprechend frisch sind manche der neuen Programme. Auch um die sportliche Form stand es nicht bei jedem Starter schon zum Besten. Michal Brezina, der letzte Saison so auftrumpfen konnte, hat in dieser Saison keinen guten Start erwischt. Wie die Nebelhorn-Trophy liefen auch die Japan Open nicht gerade erfreulich, mit 134,90 Punkten kam er in der Herren-Einzelwertung nur auf Platz 5. Er zeigte, wie am pinken Pullunder unschwer zu erkennen war, seine rearrangierte Kür der letzten Saison, Gershwins Amerikaner in Paris.

Auf noch schlechterem Fuß glitt Mao Asada in die Saison – sie verpatzte nahezu jeden Sprung ihrer neuen Kür zu Liszts Liebestraum. Schon vor ihrem Vortrag schien sie nervös, und das Programm wirkte dementsprechend irgendwie wie eine leere Hülle. Aber Asadas Trainerwechsel zu Nobuo Sato liegt erst wenige Wochen zurück, und es bleibt noch Zeit genug, die Sprünge wiederzufinden. Mit anderem Ausdruck ist das Programm sicher sehr hübsch, wenngleich es für meinen Geschmack sehr angepasst wirkt und die übliche Damen-Klassik/Romantik-Schiene bedient. Aber das war bei der Musikwahl wohl nicht anders zu erwarten. Asada wurde mit 92,44 Punkten Fünfte der Damen-Wertung.

Joannie Rochette zeigte mit ihrer Vorjahreskür das stärkste Programm im Feld der Damen (122,71 Punkte). Zweite in der Damenwertung wurde Miki Ando (115,02 Punkte; Klavierkonzert Nr. 2 von Grieg), ihre Teamkollegin Cynthia Phaneuf mit einigem Abstand (99,50 Punkte) Dritte.

Im Feld der Herren konnte Adam Rippon die höchste Wertung erzielen (166,63 Punkte). Leider habe ich noch kein Video seiner Kür gefunden (Klavierkonzert Nr. 2 von Rachmaninoff). Noch ein Klavierkonzert (es wird wohl die Saison der Klavierkonzerte…) gab es bei der Kür von Takahiko Kozuka, die Nr. 1 von Liszt. Der Versuch des Vierfachen ging fehl, mit 150,71 Punkten wurde Kozuka Vierter im Herrenfeld. Auch hiervon habe ich noch kein Video entdeckt, bin sehr gespannt aufs Programm…*update: jetzt findet man die Kür bei Youtube, ein sehr schönes, ganz ehrliches Programm; Kozuka fehlt, verglichen mit Japans derzeitiger Nr. 1 Takahashi, noch ein ganz klein wenig Präsenz auf dem Eis, aber von der Technik her läuft er bereits jetzt mit Takahashi in einer Liga.*

Nachdem ich bei Daisuke Takahashis neuem Mambo-Kurzprogramm breit grinsen musste – bei den „Uh’s“ in der Musik bleibt einem nichts anderes übrig, nicht mal Takahashi selbst – und meine Augen bei der Schrittfolge immer größer wurden, fand ich seine neue Kür zu Astor Piazollas Invierno Porteño nicht ganz so mitreißend. Vielleicht liegt es daran, dass man die Tango-Kür automatisch mit dem „Eye“-Kurzprogramm aus dem Vorjahr vergleicht. Takahashi wirkte sehr konzentriert, das Programm sehr ernst und ein wenig unzugänglich. Aber im Laufe der Saison wird sich sicherlich noch einiges daran tun. Der Vierfach-Toeloop war jedenfalls blitzsauber. Ungewöhnlich die eingesprungene Himmelspirouette, die Takahashi auch im SP zeigt. 159,19 Punkte gab es für die Kür, die zweitbeste Herrenwertung des Tages. Dritter bei den Herren wurde Plushenko mit seiner Edvin Marton/Nijinsky-Kür (151 Punkte).

Insgesamt ging der Sieg an Team Japan (was nicht allzu sehr überrascht…).

Hier, von Youtube-Nutzer daidai0316t, der Vortrag von Takahashi:

Und das neue Programm von Mao Asada, das sie nächstes Mal hoffentlich mit weniger Fehlern laufen kann, via reina8141:

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